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Englische Polizisten teilten uns mit, Morenga habe bereits die naheliegenden Pella- berge besetzt, er wollte uns also in eine ähnliche Sackgasse wie einige Tage vorher locken. Diesen Gefallen taten wir ihm aber nicht. Der vom Detachement Siebert zu uns gesandte Bur hatte eine Schlucht gefunden, durch die er uns nun aus dem Gebirge herausführte. Auf diesem Marsche gab es auch noch manches Geländehindernis zu überwinden, Hunger und Durst zu ertragen; aber die Aussicht auf bessere Tage half uns über Sorgen um die Verpflegung hinweg. Am 30. Oktober, 10 Uhr vormittags, hatten wir das Ziel unserer Hoffnungen, die Station Warmbad, erreicht und konnten uns, wenn auch nur auf kurze Zeit, der wohlverdienten Ruhe hingeben.
Aus den Mitteilungen des Oberleutnants Max Exner, z. Zt. im Jnf.-Regt. König Georg Nr. 106.
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Nubib.
13. September 1905.
Stärkere Herero- und Hottentottenbanden waren anfangs September in den Schluchten des Achabgebirges festgestellt, und Major Maercker hatte durch persönliche Kundschaftsritte und aus Meldungen des Feldwebels Klinge, der mit einer Patrouille in nördlicher Richtung auf den Kamm des Gebirges entsandt gewesen, und anderen festgestellt, daß der Feind zwar die Wasserstelle Haruchas verlassen, aber unfern, und zwar hoch oben im Gebirge, sich erneut festgesetzt habe. Major Maercker war bei der Erkundung am 9. mit seinen Begleitmannschaften in der Haruchasschlucht plötzlich angegriffen worden, wobei Leutnant Lorenz schwer verwundet und zwei Reiter gefallen waren. Die Reiter hatten ihr Bestes getan, nicht weniger als 32 Stunden waren sie unter den schwierigsten Umständen unterwegs gewesen.
Infolge dieser Erkundungen der Abteilung Maercker ordnete der Major Meister (Sieger von Nabas) für die Abteilungen von Uthmann und Maercker einen gemeinsamen Angriff an, der auf den 13. September festgesetzt wurde und zu dem glänzenden Siege der letzteren über die feindliche Bande bei Nubib führte. Die nachfolgende, überaus klare und interessante Schilderung des Gefechts ist aus dem Tagebuche des Majors Maercker entnommen.
„Am 12. September, abends 6,45 Uhr, steht meine Abteilung (4. Kompagnie 2. Feldregiments, 2. Ersatzkompagnie, Ersatzkompagnie 1a, 6. Batterie) zum Abmarsch fertig im Lager; von Uthmann ist bereits mittags durch die Haruchasschlucht zum Westrand des Gebirges marschiert. Ein Geschütz von ihm steht in der Schlucht, um ein Entweichen des Feindes durch sie zu verhindern. Meister begleitet uns. Um 8,30 Uhr sind wir am Aufstiegpunkt angekommen. Ich lasse hier bis 11,30 Uhr ruhen. Um 11,30 Uhr spreche ich nochmals sämtliche Offiziere, verbiete Rauchen und Sprechen und mache jeden Zugführer persönlich dafür verantwortlich, daß sein Zug heranbleibt. Um 11,45 Uhr beginnt der Aufstieg. Mein Stab marschiert hinter, ich selbst vor der Tetenkompagnie. Klinge hat die Spitze. Es ist heute Vollmond, und der Aufstieg ist deshalb ein Kinderspiel gegen den Aufstieg vor acht Tagen. Trotzdem ist etwa um 12,50 Uhr die Verbindung zwischen Spitze und Tetenkompagnie abgerissen. Die Verbindungsleute haben nicht aufgepaßt! Nach halbstündigem Suchen, wobei ich einen infam steilen Berg umsonst nehme, ist die Verbindung hergestellt. Ich lasse alles ausschließen, lasse die Offiziere nach vorn kommen und erkläre ihnen, daß ich fortan jeden