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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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die Abhänge zu erklimmen oder eine Umgehung zu machen, war ausgeschlossen; denn jede Bewegung unsererseits wurde vom Gegner mit wohlgezielten Schüssen begleitet. Den Versuch, vorzuspringen, mußten gleich bei Beginn des Gefechtes mehrere Leute mit dem Tode bezahlen. So waren für diesen Tag unsere Bewegungen gelähmt, eine Verbindung zwischen den einzelnen Formationen konnte deswegen auch nicht unterhalten werden, und so brachten wir erst bei Einbruch der Dunkelheit in Erfahrung, was der Tag für Opfer gefordert hatte. 21 Tote, darunter Hauptmann d'Arrest, Leutnant vonBoja- nowsky und Stabsarzt Dr. Althans, und 34 Ver­wundete hatte uns das Gefecht gekostet. Hauptmann von Koppy befahl nun, unter dem Schutze der Dunkelheit das bisherige Gefechtsfeld zu verlassen und eine etwas östlicher gelegene Höhe zu besetzen, die wir auf demselben Wege über die Klippen er­reichten. Der Verwundetentransport war bei diesem Gelände und dem Mangel an geeigneten Transport­mitteln und in Anbetracht der großen Zahl der Schwer­verwundeten, die auf Mänteln oder Zeltbahnen ge­tragen wurden, nicht leicht zu bewerkstelligen und ging nur langsam vonstatten. Die Hottentotten hatten aber selbst diese mit größter Ruhe ausgeführte Bewegung bemerkt und unterhielten das Feuer bis spät in die Nacht hinein. Beim ersten Morgengrauen fielen wieder mehrere Schüsse, die von uns zunächst nicht beantwortet wurden. Die Hottentotten waren nun im Glauben, wir hätten ihnen das Feld geräumt, und kamen aus ihren Verstecken heraus, um das Gefechts­feld vom vorhergegangenen Tage nach ihrer Gewohnheit abzusuchen. Wir warteten einen günstigen Augenblick ab, der sich denn auch bald bot, und sandten ihnen als Morgengruß ein lebhaftes Feuer entgegen, dem sie aber durch schnelles Davonlaufen entwichen. In ihren Ver­stecken angelangt, nahmen sie von neuem das Feuer auf, zogen aber gegen 8 Uhr doch vor, in einzelnen kleinen Trupps in den Schluchten des Gebirges zu verschwinden. So endete denn auch dieses schwere Gefecht mit einem Zurückweichen des Gegners und einem schönen, wenn auch sehr teuer erkauften Sieg für die deutsche Truppe, der Se. Exzellenz Generalleutnant von Trotha alsbald seine vollste Anerkennung über die hervorragenden Leistungen und Ausdauer im Kampfe in einem Telegramm aussprach.

Eine weitere Verfolgung war in Rücksicht auf den Zustand der Truppe und die Not­wendigkeit, wieder zum Proviant zu gelangen, unausführbar wir hatten, nachdem wir zwei Tage gar nichts gegessen, unseren Hunger mit Maultierflcisch stillen müssen. Außerdem ver­stehen es die Hottentotten vortrefflich, sich stets der Verfolgung durch eilige Flucht in kleinen Trupps zu entziehen.

Am 25. Oktober wurde abends aufgebrochen und am 27. Kambreck, ebenfalls am Oranje, erreicht, wo die Verwundeten auf englisches Gebiet gebracht wurden. In der Missionsstation Pella erhielten sie die erste Pflege. Hier erhielten wir durch einen Buren endlich Nachricht vom Verbleib des so sehnlichst erwarteten Detachements Siebert. Noch mehr wie wir hatte es unter den heißen Sonnenstrahlen, unter Hunger und Durst in dem gänzlich ungangbaren Gebirge leiden müssen, daß es schließlich zur Rückkehr nach der Wasserstelle Um eis gezwungen war.

Leutnant Erner.