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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Reiterschar des Stabes auf ihrem Spazierritt in elegantem Trabe vorbeisegt, dabei einige recht bedenkliche Bilder zeigend. Da nicht alle Leute auf Pferden beritten gemacht werden konnten, hatten einige Reiter vor kurzem frisch überwiesene, noch nicht zugerittene Maultiere bestiegen, die, der Last noch ungewohnt, in lustigen Kapriolen dahersausten, ohne jedoch sich ihrer mutigen, zum Teil übermütigen Reiter entledigen zu können.

Ganz zuletzt kam auf derLiese", einem wunderschön gebauten Tier, unser Esel­kutscher, Reiter Peters, ein biederer Rheinländer. Als flotter, couragierter Reiter bekannt, hatte er sich die Ehre, das unruhigste Tier zu besteigen, nicht nehmen lassen. Liese hatte schon früher wiederholt den 1^ Meter hohen Dornenkral und andere erhebliche Hindernisse übersprungen und suchte auch jetzt mit Gewalt, Peters in den Sand zu setzen. Dieser bot bei den vor Stallübermut äußerst lebhaften und wilden Sätzen des Maultiers ein ebenso komisches wie fesselndes Bild. Man kam teils aus dem Lachen über das Tier, teils aus dem Bewundern der Ge- schicklichkeit des Reiters nicht heraus. Sekundenlang auf den Vorderbeinen stehend und mit den Hinterfüßen wild in der Lnft herumfahrend, suchte Liese ihren Be­zwinger abzuwerfen, bis dieser plötzlich, durch Rutschen des Sattels aus dem Gleichgewicht gebracht, kopfüber im Bogen zur Erde flog. Sofort war Hilfe zur Stelle, und nach kurzer Zeit schon brachten einige Leute den mit Blut und Staub bedeckten Gestürzten ins Lazarett geschleppt.

Der Chefarzt, Oberstabsarzt Dr. Egget, der Oberarzt, Sanitätsunterofsiziere mit Verbandszeug eilten hinzu. Der Bataillonsführer, Major Wilhelmi, die Offiziere, die dem Ritt zugesehen hatten, traten heran, und auf die Frage:Nun, Peters, sind Sie schwer verletzt?" antwortete dieser im gemütlichsten, rheinischen Dialekt:

Nein, Herr Stabsarzt."

Ja, aber Sie bluten doch!"

Och, dat macht nix, Herr Stabsarzt, ich hau mich bloß der Dummen (Daumen) jet verstucht!"

lind wo tnt's Ihnen weh am Beine? Haben Sie was gebrochen?"

Nein, Herr Stabsarzt, auf die Beine bin ich janz jesund geblieben!"

Aber, Mensch, warum lausen Sie denn nicht?"

Ja, Herr Stabsarzt, die Käls (Kerls) han mich jo gedrogen!"

Eine homerische Lachsalve löste jetzt die ängstliche Spannung bei allen Anwesenden, und die nicht ganz militärische Antwort ward, angesichts des festlichen Tages und des glück­lichen Ausgangs, gern verziehen.

Peters mußte aber doch, nachdem derDummen" verbunden war, auf die Fort­setzung des Kaiserrittes für dieses Mal verzichten und bis zum andern Tag im Lazaretl verbleiben.

Lindner,

Zahlmeister des ehem. III. Bataillons 1. Feldregiments.

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Zahlmeister Lindner.

WW

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