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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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voraus: er ist die Hitze gewohnt, war ausgeruht und

kann in seiner Deckung liegen bleiben, während die Truppe fünf Tage hindurch Tag und Nacht marschiert war, dazu die Verpflegung mehr als mangelhaft und dann der Durst, unser ärgster Feind. Trotzdem

vermochte der Feind unserm Vordringen nicht stand­zuhalten. Wie die Katzen schlängelten sie sich durch

das hohe Riedgras, eine unglaubliche Gewandtheit ent­wickelnd. Als von unserer Seite dasMarsch, marsch!" ertönte, konnte ich nicht mehr teilnehmen, da ich in

meiner Eigenschaft als Sanitätsuntcroffizier einem schwer­verwundeten Kameraden, dem Unteroffizier Weißer der 3. Ersatzkompagnie, mitten im feindlichen Feuer und ungedeckt, den ersten Verband anlegte und denselben aus seiner gefährlichen Lage befreite. Inzwischen hatten unsere Truppen die ganze Bande, zirka 150 Mann, über die Grenze geworfen, wo dieselbe von der englischen Polizei entwaffnet wurde. Das Lager mit allen Vorräten war in unsern Händen, mehrere Gewehre, Pferde, Esel, Neuausrüstungen, sowie alle möglichen Gegenstände wurden erbeutet.

Leider mußten wir zwei unserer Kameraden auf dem Felde der Ehre lassen. Feldwebel Schnalle und Unteroffizier Oelze waren gefallen, acht Blaun verwundet. Die Hottentotten ließen acht Tote zurück.

Oskar Heckel,

Sanitätssergeant 1. Kompagnie Königl. Bayer. 3. Infanterie-Regiments, z. Zt. Augsburg.

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Ein unterbrochener Kaiserritt.

Nach mehr als einjährigem, an Anstrengungen und Entbehrungen überaus reichem Aufenthalt im äußersten Nordosten des Schutzgebietes, dort, wo die älteren Karten einen großen weißen Fleck mit der QuerschriftOmaheke" (Sandfeld) zeigen, obgleich es ein recht viel versprechender, Vegetationsreicher Gebietsteil ist, war unser Stab Anfang 1906 an die Eisenbahnlinie die Bierstraße zurückverlegt worden. Unter Offizieren und Mann­schaften herrschte eitel Freude, sich nun mal wieder einiger Kulturgenüsse erfreuen zu könuen, Briefe aus der fernen Heimat vier Wochen früher zu erhalten und, was im Sandfeld nur alle paar Monate mal als großes Ereignis vorkam, sich hin und wieder eine Flasche Bier zu dem für Südwest mäßigen Preise von 80 Pfennigen leisten zu können.

Kaisers Geburtstag nahte heran, aus welchem Anlaß der Bataillonsführer folgendes Programm für die Festfeier der Mannschaften des Stabes in Okahandja genehmigt hatte:

Morgens, nach dem Salntschießen, verbessertes Frühstück; um 10 Uhr Teilnahme am Festgottesdienst; mittags, im Anschluß an die Parade der ganzen Stationsbesatzung, besseres Mittagessen mit Bier und Zigarren; nachher Spazierritt der Unteroffiziere und Mannschaften nach Osona; abends Bierabend mit den übrigen Mannschaften der Station bei den Klängen der berühmten Eisenbahnerkapelle."

Die Offiziere und Beamten hatten sich gegen Mittag zu einem Frühstück im Garnison­lazarett vereinigt und saßen nachher bei der Zigarre auf der Veranda, als plötzlich die

SanitiUssergeant Oslar Heckei.