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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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fressen zu lassen. Mehrere Posten wurden rechts und links nach vorn zur Sicherung heraus­geschoben. Herr Leutnant von Detten, der Gefreite Rüdiger und ich gingen nun zu Fuß einige 100 Meter auf den Feind zu; Plötzlich hatte Gefreiter Rüdiger bemerkt, daß die Höhen vor uns schon von Hottentotten besetzt waren. Schnell legten wir uns auf den Boden und hatten uns bald von der Richtigkeit durch unsere Görzgläser überzeugt. Den Weg zu den Pferden legten wir kriechend zurück, wobei uns die Kaktusbüsche und Dorngestrüpp eine gute Deckung gegen Sicht gewährten. Nach unserer Ankunft bei den Pferden wurden diese schnell eingefangen und gesattelt. Ein Unteroffizier und ein Gefreiter brachten Meldung nach dem etwa drei Stunden von uns entfernten Detachement. Angeschossen waren wir bis jetzt noch nicht. Sollte Morenga uns wirklich noch nicht gesehen haben? Aber wozu waren dann die Höhen vor uns besetzt? Wir setzten nun unseren Marsch in südöstlicher Richtung fort, um, wie der Herr Leutnant sagte,im Bogen um den Feind herumzureiten und dessen Stärke festzustellen". Die Spitze unter Führung des Herrn Leutnants ritt ab. Wir folgten auf etwa 100 Meter unter Führung des Oberveterinärs Fischer. Über breite Plateaus und durch tiefe Schluchten ging abermals der Weg. Hunger verspürten wir wohl alle, aber unsere Büchse Gulasch wollten wir für die längere Rast aufsparen. Plötzlich sahen wir vor uns eine berittene Abteilung von ungefähr 30 Mann vorbeitraben; sie kam aus südlicher Richtung. Im Galopp verschwand sie in einer Schlucht. Waren es nicht Hottentotten? Um diese zu erkennen, war die Entfernung zu groß. Wir setzten daher unsern Marsch unverdrossen fort. Mühselig hatten wir soeben eine Anhöhe erklommen und ein Plateau erreicht, als wir uns wieder auf die Pferde schwangen, um der Spitze zu folgen. Da fällt in unmittelbarer

Nähe ein Schuß.Zum Gefecht zu Fuß nach links usw." hören wir unsern Herrn Leutnant rufen. Instinktiv fliegt alles von den Pferden herunter. Schnell war eine Schützen­linie im Halbkreis gebildet und alles lag platt auf dem Boden, das Feuer kräftig erwidernd. Unteroffizier Klages, sichern Sie die linke Flanke!" rief mir der Herr Leutnant zu. Aber schon mußte ich zurückrufen:Herr Leutnant, wir sind schon umgangen, wir bekommen schon von hinten Feuer!"Alles zurückziehen!" rief jetzt der Herr Leutnant.Wohin?" rufe ich zurück; keine Antwort. Nochmals rufe ich: Sollen die Pferde mitgenommen werden?" Wieder keine Antwort. Sollte der Herr Leutnant tot sein? Den rechts und links von mir liegenden Leuten rufe ich dann leise zu:Lang­sam auf die Pferde zurückkriechen!"

II.

Ohne Kommando.

Indem wir dauernd das Feuer er­widerten, legten wir ohne Verluste diese Strecke zurück. Wir waren dabei ziemlich eng zusammen gekommen. Jeder hatte nun sein Pferd am Zügel, um den Rückzug fortzusetzen. Ich wunderte mich, daß noch einige Pferde lose

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Pvlizeilergeant Ernst Mages.