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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Über die englische Grenze!

Kampf in den Dünen von Leukop^) vor Bisseport, am 19. Mai 1905.

I.

Beschwerlicher Marsch.

Am 14.Mai 1905 erhielt unser in Dawignab an der Ostgrenze stationierter Zug Gebirgs­artillerie, Leutnant Nohne, den Befehl, so nach Kais zu marschieren, daß wir an dem am 16. Mai beabsichtigten Angriff gegen Morenga teilnehmen könnten. Wir marschierten am 15. Mai nachmittags mit zwei Geschützen, einer Munitionseselkarre und einer Ochsenkarre und 24 Gewehren, einschließlich Offiziere und Sanitätspersonal, ab und trafen nach sehr beschwerlichem Marsche die Pad führte durch Dünengelände, und unsere Fahrzeuge versanken oft bis an die Achsen im Sande am 16. Mai früh in Plattbeen, zwei Stunden vor Kais, ein. Hier trafen wir auf die 11. Kompagnie 2. Feldregiments, von welcher wir erfuhren, daß unser Gegner, wahrscheinlich durch AufklärungsPatrouillen beunruhigt, dem Gefecht durch die Flucht aus- gewichen sei.

Nachmittags zogen wir nach Kais und das Detachement blieb vorläufig dort liegen unter Befehl des Hauptmanns Siebert, bis unsere Patrouillen die Abzugsrichtuug des Feindes festgestellt hätten. Am Vormittag des 17. Mai wurde durch eine Patrouille ein feindlicher Spion eingebracht, nach dessen Verhör der Abmarsch für den Nachmittag befohlen wurde. Nach Aussage des Gefangenen sollte Morenga in Sandpütz, einer Wasserstelle, zirka 35 bis 40 Kilometer von Kais entfernt, sein. Am 18. Mai, morgens zwischen 2 und 3 Uhr, kamen wir dort an, konnten zu unserem Bedauern aber nur feststellen, daß die Hottentotten dort gewesen, aber schon wieder weitergeflohen waren. Wir treckten sofort auf den Spuren hinterher, immer drei Stunden Marsch, ein bis zwei Stunden Halt, und erreichten am Mittag Witpan, am Morgen des 19. Mai Klippdamm. Der Weg führte seit Kais nur durch Dünen und litten sowohl Menschen wie Tiere furchtbar unter den Anstrengungen, manch ein Reiter hatte sein Tier schon liegen lassen müssen und sich zu Fuß der 11. Kompagnie angeschlossen. Nach kurzer Rast in Klippdamm ging es wieder weiter, und zwar führten die Spuren direkt auf die Grenze zu. Es wurde bekannt gemacht, daß auf Feinde, die das englische Gebiet betreten hätten, nicht geschossen werden dürfe.

Vormittags gegen 10 Uhr erreichten wir Leukop, dicht an der Grenze gelegen, und hier meldete die Spitze feindliche größere Banden auf deutschem Boden lagernd. Es war uns also doch gelungen, ihnen noch so nahe zu kommen, daß wir sie zum Gefecht zwingen konnten. Während eins unserer Geschütze auf einer in der Nähe befindlichen Kuppe in Stellung gebracht wurde, ging unsere Infanterie, zu der auch wir, die an den Geschützen entbehrlichen Mannschaften usw., auf unseren Wunsch kommandiert wurden, sowie das andere Geschütz auf unserer rechten Flanke vor, um dem Feinde eine eventuelle Flucht auf englisches Gebiet abzu­schneiden. Das auf der Kuppe befindliche Geschütz eröffnete auf 2200 Meter das Feuer, welches zuerst unter den Hottentotten einige Verwirrung anrichtete. Dann besetzten sie aber schnell, anscheinend schon vorher bestimmte, Stellungen und erwiderten das Feuer aufs leb­hafteste, so daß bei der Infanterie auf 1000 Meter schon die ersten Verwundeten zusammen­brachen. Wir erhielten nun den Befehl, in breiter Schützenlinie sprungweise vorzugehen und Pürschten uns, so gut gedeckt wie bei dem schlechten Gelände kleine lichte Büsche auf sandiger Fläche möglich war, an die Stellung heran. Der Gegner hatte seine Position so gut gewählt, daß es ihm möglich war, uns zeitweise unter Kreuzfeuer zu nehmen.

tz Vgl. Gesechtsskizze von Leukop, S. 128 .