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„Kerls, das sind die Hereros!"
Gefecht am Liewenberg, 16. Februar 1904.
Am 15. Februar 1904, gegen 5 Uhr, marschierten wir von Otjimbingue ab, in der Richtung nach Groß-Barmen. Erst spät in der Nacht wurde halt gemacht, und der erste Zug zog auf Vorposten. Es durfte kein Feuer angemacht werden; auch war größte Ruhe befohlen, da der Feind in der Nähe sein mußte. Ich stand mit einem schwarzen Ochsen- treiber Doppelposten, und wir paßten scharf aus. Morgens 5 Uhr wurde der Weitermarsch angetreten. Bor uns lag der Liewenberg. Um 7 Uhr, es war schon recht warm, die Feldflaschen waren leer, und wir ließen schon die Köpfe hängen, da knallte rechts von dem Berg plötzlich ein dumpfer Schuß. Wir horchten sofort auf, wußten aber nicht, was eS war. Jetzt krachten wieder mehrere Schüsse, und in demselben Augenblick jagte Kapitänleutnant Gygas an uns vorbei und rief: „Kerls, das sind die Hereros!"
Alle Müdigkeit war nun vergessen, ging es doch endlich in das lang ersehnte Gefecht, und als Unteroffizier Gehlen nun kommandierte: „Ausschwärmen!" da ging es im Laufschritt durch das Gebüsch gegen den Berg. Jetzt pfiffen aber die Kugeln, und auf dem Berg knallte es ganz gewaltig. Als wir das trockene, etwa 200 Meter breite Flußbett des Swakop durchliefen, schlugen die Kugeln vor und neben uns ein, daß uns der Sand oft ins Gesicht spritzte. Der dritte Zug lag schon ausgeschwärmt am Fuße des Berges, und wir gingen rechts daneben in Stellung.
Ich nahm mein Gewehr vor und suchte die Schwarzen, aber die hatten sich hinter Gebüsch und Felsen so gut gedeckt, daß nichts zu sehen war. Überall knallte es und stieg Pulverdampf auf. Da ich von meinem Platz aus schlecht sehen konnte, stand ich auf und ging hinüber nach links, dabei flogen aber die Kugeln um mich herum, daß es brummte. Ich legte mich nun zwischen einen Maat und einen Matrosen hinter einen Stein.
Jetzt sah ich zwischen den Büschen und Felsen hier und da einen schwarzen Kopf auftauchen und schoß nun auch drauf. Da rief der Bootsmannsmaat Jurgahn neben mir: „Ich habe einen Schuß!" Ich sah hin, da stand er auf und ging zurück, wobei ihm dunkles Blut den rechten Arm hinunterlief. „Schuß durch den rechten Oberarm!" rief er. Plötzlich knallte es hinter einem kleinen Strauch nicht weit von mir, und die Kugel flog dicht über mir hinweg. Ich gab nun fünf Schuß auf diesen Strauch ab, und es rührte sich dann nichts mehr dahinter. Als die Hereros einige Zeit unter Feuer genommen waren, wurde der Berg erstürmt. Doch die schwarzen Kerle hatten sich dünne gemacht. Bor mir standen Felsen und Dornenbüsche. Matrose Karle, welcher links neben mir war, rief mir zu: „Hier können wir her!" Doch ich rief ihm zu: „Komm, hier können wir auch herauf!" Karle kam nun hinter mir her, und als wir bis auf vier Schritt an die Felsen heran waren, krachte vor uns ein Schuß, und wir beide stürzten getroffen zu Boden. Hinter dein Felsen hatte sich ein Herero versteckt und, als wir dicht vor ihm waren, auf meinen Kopf geschossen. Nun, er hatte schlecht geschossen! Die Kugel, es war eine Henry-Martiui-Bleikugcl, war durch meine
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Reiter Adam Hesse.