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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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linke Backe gegangen, dann unterhalb des Ohres her, hatte die Halsmuskel durchschossen, war dicht an der Schlagader vorbei und hinten am Hals wieder herausgekommen, und dann dem hinter mir gehenden Karle in die Brust gedrungen. Der arme Kerl war gleich tot. Die Kameraden sprangen gleich hinzu und machten dem Herero den Garaus. Der Feind hatte sich hierauf auf die Hauptstellung am Liewenberg zurückgezogen und leistete zähen Wider­stand; erst nach sechsstündigem Gefecht wurde er geschlagen. Mein toter Kamerad und ich aber lagen noch zwei Stunden oben, ehe wir geholt werden konnten. Ich hatte großen Blut­verlust und war gleich besinnungslos, erst zwei Tage später kam ich zum Bewußtsein.

Als am Nachmittag der Weitermarsch angetreten wurde, lud man die Verwundeten auf einen Ochsenwagen. Es war ein schwieriger Transport, da es über Stock und Stein ging; meine Wunde hatte sich entzündet, und ich litt fürchterliche Schmerzen. Am 19. Februar morgeus wurde ich durch heftiges Schießen geweckt, und ich fragte Maat Jurgahn:Was ist denn los?" Er sagte:Wir sind in einer Schlucht von den Schwarzen überfallen, und es wird uns wohl schlecht gehen!"

Der Wagen fuhr im schnellsten Galopp, so daß ich hin und her geworfen wurde. Einigemal hielt er still, und Maat Jurgahn sagte:Sie haben uns Ochsen vor dem Wagen weggeschossen!" Das Schießen wurde immer heftiger, dazwischen ertönte das Krachen des Geschützes und der Revolverkanone. Mehreremal klatschte es gegen die Seitenwaud des Wagens, und es pfiff über mir hinweg. Beim Hinsehen entdeckte ich große Löcher in der Wand, es waren Kugeln hindurchgeflogen. Es tat mir bitter leid, das; ich nicht mitkämpfen konnte, aber ich war hilflos und konnte mich nicht rühren. Der Feind wurde auch in diesem Gefecht (bei Groß-Barmen) nach hartem Kampf in die Flucht geschlagen.

Am Abend wurden die Verwundeten aufgeladen und unter starker Bedeckung nach Okahandja gefahren, wo wir Sonnabend, den 20. Februar, früh, ankamen. Während die andern Verwundeten hier ins Feldlazarett kamen, wurden Gefreiter Ratjen und ich mit der Bahn nach Windhuk befördert und in das dortige Lazarett gebracht. Ich war fünf Tage auf dem Transport gewesen und war gänzlich erschöpft.

Nachdem meine Wunde vernäht war, heilte sie rasch, aber ich blieb auf dem linken Ohr taub, und außerdem war die linke Gesichtshälfte gelähmt. Ich war also invalid und wurde am 7. April wieder nach Hause geschickt. Das tat mir sehr leid, denn ich wäre noch gern drüben geblieben und wieder mit ins Feld gezogen. Ich habe fast geweint, als ich von meinen guten Kameraden Abschied nehmen mußte, aber ich mußte mich fügen. Ich wurde als ganzinvalid entlassen, bekam Pension und den Zivilversorgungsschein, auf letzteren auch bald Anstellung. Auch erhielt ich das Militürehrenzeichen 2. Klasse am schwarzweißen Band.

Adam Hesse,

ehem. Reiter der Eisenbahnbetriebskompagnie der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika.

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MiWückter Überfall der Hottentotten bei Norechab.

14. Februar 1906.

Anfang Februar 1906 lag die 12. Kompagnie 2. Feldregiments, bei der ich mich be­fand, zur Sicherung der Etappenstraße NamansdriftWarmbad in der Norechabschlucht stationiert.

Am 14. Februar 1906, morgens 5 Uhr, wurden wir durch Kanonendonner eines Geschützes der 2. Gebirgsbatterie unsanft aus dem Schlafe geweckt. Für uns hatte es einen Angriff der Hottentotten zu bedeuten. Da wir stets angezogen, mit Gewehr im Arm, schliefen.