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dauerte es bloß einige Sekunden, bis das Kommando kam: „Kompagnie ausschwärmen, Richtung ausgangs der Schlucht!" Ich sollte heute die Feuertaufe erhalten. Schon lange hatte ich mich danach gesehnt. Bkit Begeisterung ging ich in Mitte der Schützenlinie vor. Wir hatten noch nicht den Ausgang der Schlucht erreicht, da wurden wir auch schon durch starkes Feuer begrüßt. Sprungweise gelaugte die Kompagnie vor, jedoch nicht ohne Verluste. Es wurde mir zugerufen : „Dort liegt ein Verwundeter!" Nachdem ich auf freier Fläche den Mann verbunden hatte, vollständig den Kngeln der Bande preisgegeben, hörte ich auch schon einen andern Beklagenswerten einen Schrei ausstoßen. Ich konnte ihm nicht mehr helfen. Bei meiner Ankunft war er bereits tot — ein Herzschuß hatte seinem Leben ein Ende gemacht. — Die Hälfte der Kompagnie ging aus den linken Höhenrand vor, während die andere Hälfte eine kleine Krippe links der Pad (Weg) besetzte. Ein Geschütz der 2. Gebirgsbatterie stand rechts der Pad auf der Höhe. Detachementsfllhrer Herr Hauptmann von Erckert stand aufrecht auf einer Klippe, von wo er die Befehle erteilte. Trotzdem Herr Hauptmann stark beschossen wurde, blieb er aufrecht stehen, eine Kaltblütigkeit, die man bewundern mußte. Ich hatte noch zu tun mit den Verwundeten, als auch die 10. Kompagnie auf dem Gefechtsfelde erschien. Nach mehrstündigem Schießen war der Gegner einigermaßen zurückgeschlagen. Aber in die Siegesfreude mischte sich tiefes Bedauern. Auch mein Kompagniearzt, Herr Assistenzarzt Dr. Westphal, wurde verwundet. Es lag mir allein die Sorge für die Verwundeten ob. Dazu hatte die Hitze ihren Höhepunkt erreicht, und der Durst sing an, unverschämt zu werden. Gegen 5 Uhr nachmittags hatten wir die Hottentotten vertrieben. Die Kompagnie zählte fünf Tote und sechs Verwundete. Blich erwartete jetzt noch die Hauptarbeit. Vor allem mußten die Verwundeten untergebracht werden. Es wurde ein Zelt mit Hilfe einer Wagenplane aufgeschlagen. Gras wurde in Säcke gestopft, welche dann als Strohsäcke dienten und worauf die Verwundeten ein einigermaßen weiches Lager hatten. Nach fünf Tagen waren alle so weit, daß sie mittels Krankenwagens nach Kranken- sammelstelle Ramansdrift transportiert werden konnten. Meine gefallenen Kameraden waren: Gefreiter Förschle, Reiter Baumer, Heimchen, Horcher, Radtke; die Verwundeten: Gefreite Löper, Noewer, Schumacher, Reiter Laughoyer, Samel und Stolleh. Unser so hochverehrter Dr. Westphal ist glücklich hergestellt von seinen schweren Wunden.
Wie es sich herausstellte, hatte die Bande im Sinn, uns im Lager zu überfallen, was ihnen aber fest versalzen wurde. Wieviel Verluste sie hatte, konnte nicht genau festgestellt werden; aber jedenfalls hatte sie eine tüchtige Schlappe erhalten, da sie auf ihrem Rückzüge noch von einem Maschinengewehr überrascht wurde, welches ihr noch bedeutende Verluste beibrachte. Es wird ihr dieser mißglückte Überfall etwas in ihrem blöden Gedächtnis haften bleiben.
Nach diesem Gefecht wurde ich zum Militärehreuzeichen 2. Klasse vorgeschlagen und erhielt auch das Königl. Bayer. Verdienstkreuz mit Schwertern.
Daniel Korst,
Sanitätssergeant, früher 12. Komp. 2. Feldregts. der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika,
jetzt 8. Bayer. Infanterie-Regiment, Metz.
Slinitätsseraeaiit Taniel Körst.