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Die 8. Kompagnie 1. Feldregiments im September 1904.
i.
In den Okawlikabcrgen.
Wenn man die Hochfläche des Waterbergs auf dem von den Pionieren der 8. Kompagnie 1. Feldregiments durch Felsensprengung und mühsame Bauarbeit geschaffenen Wege erstiegen hat, so öffnet sich nach Süden ein weiter Blick über Steppe und Busch: rechts begrenzt durch den etwa 15 Kilometer entfernten Nordrand des Höhenznges von Okawaka, hinter dem die einsame Größe des Omatakoberges aufragt, sich dehnend bis zu der noch in 100 Kilometer Entfernung von der klaren Luft sich abhebenden Höhe von Otjo- sondu und links sich verlierend in das scheinbar endlose Sandfeld.
Dorthin war im August 1904 die Masse des Herervvolkes gezogen, anfangs noch ein stattlicher Zug mit Wagen und gewaltigen Viehherden, dann immer mehr zusammenschrumpfend, bis endlich nur der Oberhäuptling Samuel mit wenigen Begleitern den jenseitigen Rand, das englische Betschuanaland, erreichte.
Schon in der nächsten Umgebung des Waterbergs hatten sich Menschen und Vieh in verschiedenen Trupps vom großen Haufen getrennt, um in den schluchten- und wasserreichen Bergzügen Ruhe und Sicherheit zu finden. Bei Okamuru, am Südrand des Waterbergs, war am 28. August 1904 eine stärkere Bande, die sich durch nächtlichen Feuerschein verraten hatte, im Morgengrauen überrascht und zersprengt worden, bei Okosongominja hatten bald darauf deutsche Kugeln die Lust zur Niederlassung genommen, und zahlreiche Spuren führten nun, von dem unsicher gewordenen Waterberg weg, nach dem Südrand der Oka- wakaberge, wo die über ebenes, wenig bedecktes Land aufragenden Felsen dem aufmerksamen Feinde günstigen Unterschlupf boten.
Die Nordseite der Okawakaberge zeigt, ebenso wie die des Waterbergs, keine den Aufstieg erleichternde Schluchten, sondern einen senkrecht abstürzenden Rand von verschiedener Höhe, und darunter eine steile, mit Felstrümmern und Dorngebüsch bedeckte Böschung.
Wollte man die am Südrand sitzenden Hereros erfolgreich angreifen, so bildete die Ersteigung des Nordrands eine hierfür unerläßliche Aufgabe.
Mitte September gelang es einer Patrouille der 8. Kompagnie unter Leutnant Kaufmann, oberhalb Okosongominja am Tage den Steilrand zu erreichen, und, durch einen Kamin einzeln hinaufklimmend, die Höhe zu gewinnen. Als die Abteilung auf der Hochfläche ein Stück in nördlicher Richtung marschiert war, sah sie eine von einem Hercro bewachte Herde Kleinvieh langsam auf sich zu weiden. Die Gelegenheit zur Wegnahme des Viehs schien günstig, und die Mühe des Aufstiegs lohnend, aber wo Kleinvieh ist, ist wahrscheinlich auch Großvieh, und wo ein Herero ist, sind ganz gewiß noch mehr, und darum entschloß sich der Führer, unbemerkt weiter zu beobachten, um das Ergebnis später besser ausnützen zu können.
In geringer Entfernung von den hinter Felsblöcken gedeckten Reitern zog die Herde vorüber, und als sie außer Sicht war, drang die Patrouille weiter zum Nordrand vor. Die geübte Entsagung belohnte sich reichlich; denn in der Tiefe wurde eine große Werst sichtbar, die im Gefühle völliger Sicherheit mit zahlreichem Groß- und Kleinvieh sich zu schaffen machte. Vorsichtig um sich spähend, trat die Abteilung den Rückweg an.
Am 18. September 1904, 2 Uhr nachmittags, bei drückender Hitze, marschierte die 8. Kompagnie vom Waterberg ab, durch die Pforte von Omuweroumue auf dem Wege nach Okateitei. Als sie Okosongominja hinter sich hatte und die Dämmerung hereingebrochen war, hielt sie. Es mußte damit gerechnet werden, daß der Feind die Spuren der