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Feinde sich herangezogen und die Abteilung eingeschlossen. Leutnant Brüggemann schickte einen Unteroffizier mit drei Mann als Aufklärungspatrouille nach dem Rivier. Aber es war nicht möglich, durchzukommen, weil sie stets beschossen wurden. Um eine Umgehung, die uns den Rückzug auf Gochas abschnitt, zu verhindern, mußte das Rivier erreicht werden. Ich wurde bestimmt, mit demselben Unteroffizier mitzureiten; er meldete aber, sein Pferd wäre schlapp und könnte nicht mehr. Ich erbot mich deshalb, allein zu reiteu, und Leutnant Brüggemann gewährte es mir. Ich galoppierte, von den feindlichen Geschossen oft umpfiffen, etwa zwei Kilometer am Rivier entlang und konnte feststellen, das; das Rivier frei war. Nach ständigem Gefecht mußten wir uns zurückziehen, weil Mangel an Munition eintrat, und wurden bis Gochas verfolgt. Auf dem Rückwege wurde mein Pferd von einer Kugel getroffen, und ich wäre den Hottentotten zum Opfer gefallen, wenn nicht ein Kamerad namens Jndenhock den Mut gehabt hätte, mich hier rauszuholen. Ich klammerte mich an seinen Steigbügel und bin so drei Kilometer neben dem Pferde mitgaloppiert. Hier habe ich als Christ erkannt, daß nur Gott über die Schicksale des Menschen bestimmt. Für das kühne Unternehmen hat mir der Leutnant Brüggemann seine Anerkennung ausgesprochen und wollte dafür Sorge tragen, daß es mir belohnt wird.
Schwiedersky,
Gefreiter der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Hasuur.
Unter Major von Freyhold.
Es tönt' ein Ruf: „Nach Afrika!
Freiwillige vor! Gefahr ist da!"
Da schwoll manch Herz in Kampfesmut,
Auch ich griff schnell zum Tropenhut!
Aus den interessanten Aufzeichnungen des Gefreiten Franz Szameitat kann, des Raumes wegen, nur eine Episode geboten werden.
Ich kam zur 12. Kompagnie, Abteilung Major von Freyhold. Am 2. Juni 1906 trafen wir in Gaobis ein, und schon am 3. Juni brachen wir auf, um die Verfolgung der Spuren von Hottentotten aufzunehmen, die uns durch Patrouillen im Haibrivier gemeldet wurden. Am 4. Juni, abends 9 Uhr, trafen wir bei Sperlingspütz auf den Feind, der nach vierstündigem Gefecht in wilder Flucht sich über den Oranjefluß in englisches Gebiet rettete.
Nach weiterem Absuchen der Oranjeberge waren wir gezwungen, auf die Station Nhabis zu machen, weil unsere Reittiere durchweg schlapp und für einige Zeit nicht mehr brauchbar waren. Am 22. Juli brach unsere Abteilung abends zur neuen Operation in die Oranjeberge auf. Zu zwei Maschinengewehren und einem Gebirgsgeschütz waren nur fähige Packtiere vorhanden, die Mannschaften mußten ihr Gepäck auf den Rücken schnallen, und nun ging es: „Üb' immer Treu und Redlichkeit!" Von 12 bis 2 Uhr nachts haben wir Rast gemacht, den 23. Juli l906, 6 Uhr morgens, erreichten wir die Oranjeberge; nun ging das Kraxeln in den Bergen los. Mittags sprach ich noch zu meinem Feldwebel: „Himmel, sollen wir die Hottentottenbande heute wieder nicht erwischen?"
„Na, warte nur, noch ist nicht Abend!" antwortete er. Kaum waren wir eine halbe Stunde marschiert, da wurde die Spitze von den schwarzen Lumpen mit eiserner Mundportiou empfangen. Nun giug's ins Gefecht, wo wir von 12,50 Uhr bis zur Dunkelheit im Feuer lagen. Wie's nun den Schwarzen in der Dunkelheit doch zu heiß wurde, nahmen sie die