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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Kanoniere, in die Räder!" und so wurde unter großer Anstrengung und Schweiß das Geschütz hochgebracht. Um 12 Uhr nachts war die Kanone in Stellung. Nun galt es noch, auf Lasteseln Munition hochzuschaffen.

Am 13. September 1905, kurz nach 6 Uhr, fiel der erste Schuß vom emporgezogenen Geschütz des Oberleutnants von Bötticher, und zwar mit einer Sicherheit, die kaum glaublich ist. Die Hottentotten kamen in Verwirrung, denn sie glaubten nicht, daß derDütschmann" auf diesen Berg einGrotrohr" bringen könnte.

Das Kanonenfeuer dauerte ungefähr 4stz Stunden. Da kam eine Meldung, die Hotten­totten hätten die ganzen Berge besetzt und könnten uns, da wir nur noch wenig Munition hatten, ge­fährlich werden. Auf dies hin bekam ich von Herrn Oberleutnant von Bötticher einen Zettel zugeschickt, mit der Meldung:

Funken Sie nach Nam: Wir haben die Schweine fest, werden sie jedoch einen halben Tag mürbe schießen müssen. Wagen mit voller Munition sofort auf dem Gefechtsfeld eintreffen. von Bötticher."

Als ich auf die Funkenstation kam, erhielt ich zur Antwort:Wir haben keine Verbindung mit Nam; reiten Sie die 50 Kilometer, so sind Sie schneller dort und können den Wagen selbst begleiten." Auf diese Auskunft hin bin ich mit meinem Pferde die ganze Strecke in 3 stz Stunden ganz allein geritten und kam um 3 Uhr des anderen Morgens wieder mit dem Wagen an. Oberleutnant von Bötticher konnte die ganze Nacht nicht schlafen, weil ich allein weggeeilten war und er keine Nachricht be­kommen konnte.

Am anderen Morgen hat er mir seinen Dank ausgesprochen mit der Mitteilung, daß die Meldung falsch war und das Gefecht um 1 Uhr mittags schon als beendet anzusehen ge­wesen wäre, ich möchte so schnell wie möglich Leutnant Müller benachrichtigen, daß das Geschütz heruntergebracht werde.

Die Hottentotten hatten eine große Niederlage bei Nubib; an 80 Tote, viele Ver­wundete, und das ganze Vieh kam in unsere Hände, sowie eine Anzahl Gefangener.

Major Meister und von Uthmann gaben uns ein großes Lob für unsere Leistungen und das schönste Stück Beutevieh zum Schlachten.

Reiler Paul Baier.

Paul Baier,

ehem. Reiter der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestasrika, z. Zt. Schwenningeu in Baden.