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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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mit uns durchlebt, in Not und Gefahr uns stets vorangingen", und das von unserm Haupt­mann gedichtete, zum Schutz- und Trntzlied der Schutztruppe gewordeneIch bin ein junges Reiterblut" erklang in die Nacht. Dann wurde es still und stiller, nur flüsternd unterhielten sich noch einige Gruppen; die meisten der Reiter lagen und schauten sinnend in den klaren Sternenhimmel, und ihre Gedanken wanderten gar weit übers Meer in stille, deutsche Stuben, zum Vater und zum Mütterlein, zu Bruder und Schwester, zum Liebchen. Und von deutschen Landen her kamen deren Gedanken gewandert zu uns, und wo sie den unsrigen begegneten, da erzählten sie gar wundersame Weisen von Tannengrün und Lichterglanz, von Kinderjubel und Elternglück, und die in Kampf und Entbehrung gestählten Männerherzen lauschten still und wehmütig und träumten, sie wären daheim, bis ein scharfer Anruf der nächststehenden Posten sie in die rauhe Wirklichkeit zurückrief. So begingen wir den 24. Dezember 1904; am folgenden Tage trat nach dem Gottesdienst der gewohnte Gang der Tagesarbeit wieder in seine Rechte.

Im Lager.

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II.

Kampf um den Steinkral.

Täglich, stündlich erwarteten wir den Befehl znm Vormarsch, aber erst am 30. De­zember 1904, abends, kam ein Heliogramm, welches befahl, daß wir, Abteilung Meister, uns so mit unserem Marsch einzurichten hätten, daß wir am 5. Januar morgens den Feind bei Gochas angreifen könnten. Etwa sich uns auf dem Vormarsch entgegenstellende Abteilungen wären zurückzuwerfen. Am Mittag des folgenden Tages setzte sich unsere Kolonne in Marsch. An Gefechtskraft waren wir stark: 150 Gewehre, 4., 5., ^7. Kompagnie 2. Feldregiments und vier Geschütze der 5. Batterie. Auf Kalks»ntein blieb eine Bedeckungsmannschaft in Stärke von etwa 20 Mann zurück, da wir den Ort als Operationsbasis benutzen wollten und dort Hafer liegen hatten. Unser Marsch sollte an diesem Tage nur bis Stamprietfontein gehen; dort wollten wir die Nacht bleiben. Durch unsere Patrouillen wußten wir, daß unser Gegner noch bis vor einigen Tagen der Annahme gewesen war, die Gefahr drohe ihm von Rietmont her; denn alle seine Patrouillen hatten nach dort aufgeklärt. Im letzten Augenblick mußte er nun erfahren