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die häßlichen Kerle noch auf uns. Jetzt erst hörte ich, daß auch mein Hauptmann d'Arrest, Leutnant von Bojanowsky und die Reiter Englinski und Strecker von der Kompagnie gefallen sowie Oberveterinär Dieckmann verwundet seien.
Am andern Morgen ging's schon früh wieder los — aber der Angriff wurde abgeschlagen, die Feinde zogen ab. Wir Verwundeten aber wurden über die Felsen zum Oranje hinab und durch den Fluß viele Stunden weit getragen oder geführt und bei Kambreck den Engländern übergeben, die uns in die katholische Mission zu Pella brachten. Dort wurden wir sehr freundlich behandelt und sehr gut verpflegt — was hier dankbar gesagt sein soll. Der Rest der Abteilung von Koppy ging aber nach Warmbad, denn Patronen und Proviant waren alle geworden.
Trotz Entbehrungen und Strapazen hat es mich niemals gereut, daß ich freiwillig mitgegangen bin nach Afrika, für des Vaterlandes Ruhm und Ehre zu kämpfen und zu bluten. Daß wir manchmal tagelang ohne Proviant und Wasser waren, dafür konnte man nicht; denn in diesem Lande ist's nicht wie in Deutschland, daß man von einer Kneipe in die andere wandern kann. Dort war Kriegszustand!
Georg Arnold,
ehem. Reiter der Kaiser!. Schutztrnppe f. D.-Südwestasrika, z. Zt. Hütten.
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Im Dienste der Menschheit!
Am 28. Februar 1905 landeten wir in Swakopmund, und ich wurde dem Feldlazarett 15 zugeteilt, welches dort und in Okahandja in Bereitschaft nach dem Süden lag.
Am 13. April 1905 kam das Feldlazarett 15 in Lüderitzbucht an. Ich wurde zur Dienstleistung den: Feldlazarett 12 zugeteilt, wo ich gleich einen traurigen Einblick gewann, da gerade Typhusepidemie herrschte.
Nach 36 Tagen Marsch durch die Durststrecken, Gebirge usw. kam ich zu meinem Truppenteil nach Hasuur an der Ostgrenze unseres Schutzgebietes. Dort dasselbe Bild, noch viel trauriger als an der Küste; denn der Typhus wütete hier und forderte seine Opfer; die meisten Schwerkranken kamen von Koes und Kiriis. Sah man aber auch diese Pfützen dort, aus denen unsere Truppen das Wasser trinken mußten, war es leicht erklärlich, daß die Leute krank werden mußten. Schmutz und Schlamm sowie Kadaver befanden sich darin. Dazu kamen noch die mangelhafte Verpflegung, Strapazen und die furchtbare Hitze in den Sanddünen der Kalahari.
Eine kurze Schilderung unseres Bezirksfeldlazaretts 15: es bestand aus zwei mittleren Zelten mit 16 kompletten Betten. Chefarzt war Stabsarzt Dr. Wienecke, assistierender Arzt Assistenzarzt Dr. Freyse. Das Unterpersonal bestand aus vier Unteroffizieren und fünf Mannschaften. Wir hatten bis Anfang Oktober 1905 58 Mann Bestand an Kranken. Die armen Typhuskranken lagen auf dem Sande gebettet, denn der Nachschub von Betten usw. war zur Zeit nicht möglich.
Den schwersten Dienst hatten die Herren Sanitätsoffiziere. Aufopfernd für das leibliche Wohl der Kranken, sind sie Tag und Nacht auf dem Posten gewesen, um abzuhelfen, wo es fehlte. Aber auch wir hatten es nicht leicht, jeden Tag auf Krankenwache, Patrouille oder Abholen von Kranken und Verwundeten, Bauen von sogenannten Pontoks zur Verbesserung der Unterkunft für Kranke und Personal. Letzteres lag im Freien, im Sande, keine Stunde vor dem Feinde sicher, der sich um Hasuur ringsum herumtrieb; da sieht man erst, was ein Mensch aushalten kann.