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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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nun gar mcht! Aber da gab auch schon Herr Oberleutnant Müller den Befehl, das Maschinen­gewehr zu bespannen. Nach fünf Minuten standen wir marschbereit. Fort ging es, was die Tiere laufen konnten, zum Kampfplatz, wo unsere Kameraden beinahe auf Bajonettweite kämpften, und der Feind bereits im Besitz des Viehes war. Nach einer halben Stunde lagen auch wir im Gefecht. Als das Feuern des Maschinengewehrs ertönte, wurden wir mit Freudenrufen emp­fangen. Nach einer Zeit von zehn Minuten war der Feind auf 200 Meter zurückgegangen. Nach drei Stunden war das Gefecht beendet, der Feind mußte unter großen Verlusten und ohne Erfolg abziehen. Meinem Gewehrführer, meinem Kameraden und mir wurde von Sr. Majestät das Militärehrenzeichen 2. Klasse verliehen.

Paul Wenzlaff,

ehem. Unteroffizier der Kaiser!. Schntztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Loschwitz.

-P -i-

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Ein Hubertustag.

Die 9. Kompagnie des 1. Feldregiments lag am 3. November 1904, am Hubertustage, an der Wasserstelle Okunjahi, um in Verbindung mit anderen Truppen die Absperrung des Sandfeldes durchzuführen. Trotz des frischen unternehmungslustigen Reitergeistes, der vom unermüdlichen Hanptmann von Klitzing wahrlich genügend belebt wurde, dachte hier niemand auch nur im entferntesten an die daheim übliche Schnitzeljagd.

Aber eine Schießjagd! Das war zu machen! In dem dichten Busch, der jener Gegend wie weiten Strecken des Schutzgebietes eigen, fand sich trotz unserer Besetzung noch manches Wild. Der so nahe liegende Gedanke, das einförmige Essen am Hubertustage zu verbessern, erhielt naturgemäß in den frühen Morgenstunden neue Nahrung. In Begleitung eines Bambusen, dessen Orientierungs- und Spürsinn trotz seiner Jugend schon vorzüglich ausgebildet war, verließ ich das Lager. Doch die Perlhühner hielten heute nicht, der bedeutsame Tag begann wenig verheißungsvoll. Indessenerstens kommt es, zweitens anders, drittens als man denkt und viertens ganz besonders in Afrika", das hört und erprobt man dauernd.

Der Dienst verlangte unter anderem genaue Anfertigung von Skizzen. So wurde denn bestimmt, gerade an diesem Tage die Richtung nach Okarondokatiti festzulegen. Es war verabredet, daß nach eingetretener Dunkelheit in Okunjahi einige Leuchtkugeln abgefeuert werden sollten, während die ausgesandten Beobachter mit Hilfe des Kompasses die nötigen Feststellungen auszuführen hatten. Um 5 Uhr nachmittags sah man daher eine stolze Patrouille von einem Offizier, einem Unteroffizier und zwei Mann abreiten, deren Erlebnisse ein Tagebuchauszug etwa wie folgt wiedergibt:

Schon bald nach Verlassen des Lagers in östlicher Richtung fiel eins unserer Pferde auf die Knie. Es machte schlapp, so lautet der Fachausdruck. Um nicht in der weiteren Fortbewegung behindert zu sein, schickte der Führer den einen Mann zurück. Bald darauf wurde eine nach Nordwesten führende ziemlich frische Spur, die auf den Durchzug zahlreicher Hereros mit wenig Vieh schließen ließ, gekreuzt. In Rücksicht auf Schonung der Pferde und das im Sandboden nicht ganz einfache Ansprechen von Spuren sie konnten auch ein bis zwei Tage alt sein wurde ruhig nach Osten weitergeritten. Allerdings wurde das Gewehr nicht mehr im Schuh gelassen, sondern schußbereit in die rechte Hand genommen. Der Busch war dicht und mittelhoch, daher bewegte sich die Patrouille in der Kolonne zu einem, der Führer vorn. Plötzlich fiel ein Schuß. Das vorderste Pferd, ein Schimmel, machte kurz kehrt, sein Reiter lag nuten, während die beiden anderen absprangen. Klemmt hielt sogleich die Pferde, während der Führer mit Sergeant Heyse auf die hinter einem dichten Busch in der Ruhe überraschte