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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Schuß durch den linken Oberarm, und der Geschützführer,

Unteroffizier Hauf- ler, Schuß durch den rechten Oberschenkel und Streifschuß am Unterleib. Die Mu­nition war bald ver­feuert, und immer enger schloß sich der Kreis der Schwarzen um mein Geschütz; ich bekam Feuer von drei Seiten. Endlich, nach einer langen Stunde, kam Vizefeldwebel der Reserve von

Kamecke mit einem Halbzug Infanterie, und zu gleicher Zeit traf auch Munition ein.

In glühender Hitze lagen wir nun noch bis 2 Uhr. Dann:Vorwärts auf die Düne!"; denn dort mußten wir hin. Durch Dorn und Steine, unter fortwährend feindlichem Feuer, brachten wir das Geschütz mit großer Anstrengung bis zur Düne. Jetzt hinauf; so­bald sich ein Hut über dem Kamm zeigte, da prasselte auch eine Salve. Nach einer halben Stunde wurde durch das Feuer des zweiten Geschützes die Düne frei. Mit Hilfe der Infan­terie brachte ich das Geschütz über die Düne in unsere Schützenlinie. Ich richtete nun das Geschütz selbst und feuerte auf 400 Bieter. Gleich nach den ersten Schüssen verließ der Feind seine Stellung und ging in wilder Flucht ins englische Gebiet. Das Feuer mußte verstummen, nnd mit ihm zwei brave Helden, Wachtmeister Schnalke und Unteroffizier Oelze, außerdem wurden noch zwei Mann schwer und vier leicht verwundet (Sergeant Knoke, Unteroffizier Weiser, Gefreiter Wawries, Reiter Barenthin, Gölicke, Hartwig). Der Gegner verlor 24 Tote und acht Verwundete. Dieser Tag brachte mir das Militärehrenzeichen.

Reinhard Walcher,

ehem. Vizewachtmeister der Kaiser!. Schutztrnppe s. D.-Südwestafrika, z. Zt. Nordenstadt.

Gefecht bei Kawigaus.

19. August 1905.

Schlimme Zeiten voller Entbehrungen und Mühsale hatte das Fischflußdetachemeut Mitte 1905 im Kampfe gegen die vereinigten Cornelius- und Morrishottentotten in schier unwegsamem Gelände durchgemacht, ohne daß es bei der affenartigen Behendigkeit des Gegners und den schlupswinkelreichen Hängen der granitenen Fischflußberge mit den zahlreichen Quertülern möglich geworden war, die Vernichtung des Gegners herbeizuführen. Vielmehr war es dem verschlagenen Feinde gelungen, über den Oranje zwischen Fisch flußmün düng und Marinka- drift zu wechseln und sich an die Etappenstraße Ramansdrift-Warmbad heranzupirschen. Bei dem damaligen Mangel an Truppen in diesem südlichsten Teile des Schutzgebietes treckten Transportkolonnen ohne militärischen Schutz, und so fiel eine solche von vier Wagen den Räubern iu die Hände. Auf die Nachricht hiervon eilte das Fischflußdetachement unter Major Traeger in Gewaltmärschen herbei und gelangte über Gaibes und Haib am 12. August nach Warmbad.

Leutnant v. Nvtinc.

Vizewachtmeister l>. Reserve R. Walcher.