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einschlugen. Gefreiter Schwiegk machte den Abteilungsführer, der in seiner Nähe lag, auf die näher und näher platzenden Schrapnells aufmerksam. Major von der Heyde verließ hierauf die Schützen; es gelang ihm, zur Artilleriegruppe zu kommen und weiteres Feuern in dieser Richtung zu verhindern. Einige Schützen wurden durch Geschosse verwundet. Die Reiter, mitsamt den Verwundeten, gingen in eine etwa 80 bis 100 Meter links rückwärts gelegene Stellung zurück; vier Tote mußten dabei liegen gelassen werden. Es waren Leutnant Graf von Arnim, den ein Geschoß in die Brust von seinem Leiden mittlerweile erlöst statte, während Reiter Schlegel und Gefreiter Sertl kurze Zeit nach ihrer ersten Verwundung, Reiter Waclawzyk noch nicht eine Stunde nach Beginn des Gefechts, den Heldentod fanden. Gegen die nunmehrige zweite Stellung liefen die Hereros sofort unter Schießen und Geschrei an. Der Angriff kam durch das Schnellfeuer zum Stocken. Reiter Würker erhielt einen Streifschuß am Kopf, Reiter Trawiel einen unschädlichen Prellschuß, Leutnant von Vethacke wurde die Feldflasche abgeschossen. Hier hielten wir uns bis zum Eintritt völliger Dunkelheit, vom Gegner im Umkreise umschlossen. Sergeant Landvoigt war das Zurückeilen in die nunmehrige Position nicht sofort gewahr geworden. Es gelang ihm, seine Mannschaft in die Schützenlinie zu bringen. Er hatte den nackten Gefreiten Schroeter bei sich, dem Gefreiter Rohrig seinen Rock abtrat. Es war bitter kalt. Gefeuert wurde nur dann, wenn der Feind sich zu nähern suchte und Rufe einzelner oder aufblitzende Schüsse uns den Liegeort des Gegners verrieten. Solche Rufe waren: „Artillerie kommt!" — „Herr Major!" — „Viktoria!" — „Puder!" Lagen doch beide Parteien sich derart nahe gegenüber, daß man in der eingetretenen Stille jedes Wort hören konnte. Jede Hoffnung auf Unterstützung hatten wir aufgegeben, zumal das Feuer unserer Artillerie schon lange schwieg. Offiziere und Mannschaften waren auf einen letzten Angriff gefaßt; aber kein Schuß fiel mehr. Durch einen gewissen Humor zeichnete sich der Gefreite Paul Schulz und die Reiter Richard und Hermann Buchholz aus. Der erstere, der sich schon am 24. Juli als tapferer Soldat bewährt, hatte seinen langen Körper in ein Schakalloch gezwängt, so daß von ihm buchstäblich nur Kopf, Brust und Arme zu sehen waren. Aus dieser Deckung schoß er ab und zu. „Hier können mich die Schufte nur als Leiche herauskriegen",
meinte er. Reiter Richard Buchholz hatte schon zu Beginn des Gefechtes, in einem sehr bedenklichen Augenblick, Proben großer Kaltblütigkeit gegeben.
Ohne feuern zu brauchen, lagen die Schützen noch eine Zeitlang, dann — ein kurzes Gerassel der Waffen — ging es mit außerordentlich schnell gefundenem Zusammenschluß quer durch den Busch. Es war 7,40 Uhr nachmittags, als die kleine Truppe die Pad erreichte. Die Schwerverwundeten wurden getragen.
Etwa eine halbe Stunde vom Lager entfernt, trafen wir auf den Trompeter Sebastian mit wenigen Leuten, die mit einem großen Teil der Handpferde der Kompagnie im dichten Busch hielten. Der Energie des Feldwebels Glembowicki, der Pflichttreue des Trompeters und der Pferdewache dankt die Kompagnie den immerhin geringen Verlust an Tieren. Von der Pferdewache machten sich Gefreite Lützelberger und Richter besonders dadurch verdient, daß sie den Gegner durch sicheres Feuern abhielten.
Trvmpeter (Unterosfizier) Reinhald Sebastian.