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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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kennen sie eben nicht. Nicht umsonst haben so viele von unseren tapferen Jungen für Kaiser und Reich gekämpft und haben viele den Heldentod erlitten! lind wenn man sogar Persönlich zu hören bekommt: wir können die Schwarzen ja zufrieden lassen, empfindet man es fast als persönliche Beleidigung. Ich bin der Meinung, daß das Land einst ein Goldland werden und Deutschland guten Ertrag bringen wird. Ich bedaure nur unendlich, daß ich mich nicht als Farmer dort niederlassen kann.

Friedrich Ranzau,

ehem. Reiter der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Leisten.

Freiwilliger vor!"

Diese Worte richtete unser Kompagnieführer, Herr Rittmeister von Tresckow, an uns, als wir am 8. Dezember 1905, morgens 6 Uhr, vom Feinde überraschend angegriffen wurden und uns zunächst in Deckung sammelten. Das war auf der Zwiebelhochebene bei Bethanien, und wir befanden uns im Kriege gegen den Bethanierkapitän Cornelius. Unsere Abteilung, 2. und 5. Kompagnie 2. Feldregiments, durch Hauptmann Haegele geführt, ver­fügte kaum über 100 Gewehre.

Es galt, über eine vom feindlichen Feuer bestrichene und von Felsstücken überaus zahlreich bedeckte Fläche einen Befehl zu dem Vizefeldwebel Widdecke zu bringen, der zur Sicherung unseres Rückens in der alten Stellung mit einigen Leuten zurückgelassen wurde.

Von den sich meldenden Unteroffizieren und Mannschaften erhielt ich den Vorzug und bestieg meinen alten braven Gaul, der mich schon aus mancher Gefahr herausgetragen hatte. Als wüßte es das Tier, daß von seiner Schnelligkeit sein und seines Reiters Leben abhinge, jagte es über die etwa 400 Meter betragende freie Fläche hinweg und langte, trotz lebhaften Feuers, unversehrt drüben an. Nach Ausführung des mir übertragenen Befehls ging es in derselben Weise wieder zurück.

Doch hatte sich die Gefechtslage inzwischen verändert, so daß ich nochmals den soeben vollbrachten Ritt wagen mußte. Der Hinritt glückte wiederum, aber ich merkte Wohl, daß das Feuer sich erheblich verstärkt hatte. Meinen Gaul in Deckung stehen lassend, schlich ich mich, nur langsam vorwärtskommend, bis auf Hörweite an die Abteilung heran und entledigte mich meines Auftrags. Als ich nun wieder auf der Höhe sichtbar wurde, empfing mich ein heftiges Schnellfeuer, nicht nur wie bisher von vorn, sondern auch von der rechten Seite.

Ich befand mich in einer kritischen Lage, ein Zurück zu der eben verlassenen kleinen Abteilung hatte dieselben Nachteile für mich, wie ein schnelles Vorwärtsbringen.

Für einen deutschen Reiter gibt es kein Zurück!" hatte einst unser Zugführer in den Hererokämpfen zu uns gesagt. Die Mahnung beherzigte ich und sprengte in rasendem Galopp etwa bis halbwegs der Fläche. Da stutzte plötzlich mein Gaul, wahrscheinlich waren ihm einige sogenannte blaue Bohnen zu nahe an der Nase vorbeigeflogen, und ich, ohne mich zu besinnen, sprang aus dem Sattel. Auf dem Bauche vorwärts kriechend, gelangte ich wieder zur Kompagnie, gerade noch zur rechten Zeit, um in der Schützenlinie mit vorgehen zu können. Nach fast sechsstündigem Kampfe war das Gefecht zu unseren Gunsten entschieden. Der Feind stob nach allen Richtungen auseinander.

Eine kurze Verfolgung und dann konnten wir die so heiß umstrittene Wasserstelle betreten und unsern von der Hitze des Gefechts stark entfachten Durst mit dem in Afrika so wenig vorhandenen köstlichen Quellwasser stillen.