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Hilfe in der Not!
Im Dezember 1905 wurde ich mit meinem Kameraden Waßmann von Kalkfontein aus zur Bedeckung von Ochsenwagen kommandiert, die wir über Warmbad, Duurdrift und Jerusalem nach Stvlzenfels zu führeu hatten. Wir empfingen für zwölf Tage Proviant, aber die Reise dauerte 14 Tage. In Duurdrift angekommen, wurden die Ochsen getränkt und geweidet, da sie 50 Stunden ohne Wasser waren. Hier benachrichtigte uns eine Burenpatrouille, daß die Hottentotten in der Nähe seien. Wir sahen auch ein großes Feuer in der Richtung auf Farm Ondermaitje, die in unserer Marschrichtung lag. Die Treiber weigerten sich nun aus Furcht weiter zu marschieren, aber gegen Abend brachten wir sie doch vorwärts, und wir erreichten später über Groendoru endlich Stvlzenfels. Die Wagen wurden abgeladen,
und am folgenden Tage ging die Rückreise los. In Jerusalem war die 3. Ersatzkompagnie eingetroffen, und da der Weg sehr von den Hottentotten bedroyt war, ging Waßmann zum Kompagniechef Oberleutnant Beyer zur Meldung und fragte, ob wir denn weiter marschieren sollten. „Kinder, macht's, wie Ihr wollt!" sagte er, und wir verstanden die Antwort; und mit Gottvertranen und frischem Mut ging die Reise weiter. Und das war gut. Die Hottentotten ließen uns ungeschoren, aber nach einigen Tagen Marsch — es war etwa
20 Kilometer nördlich von Warmbad — fanden wir einen in die Knie gesunkenen Mann
und einen Bambusen. Sie konnten nicht mehr sprechen — sie waren am Verdursten. Ich gab ihnen meine Feldflasche, die schnell leer war, und bald konnte der Kniende sagen, er sei der Oberleutnant Fischer von der 10. Kompagnie des 2. Regiments — aber es seien noch drei Mann hinter ihm liegen geblieben — und vielleicht schon verdurstet. Da nahm ich
einen Treiber, jeder trug einen Wassersack, und wir gingen der Spur des Oberleutnants rückwärts nach. Nach 20 Minuten fanven wir die Unglücklichen, es waren Leutnant Weinbergen von der Maschinengewehr-Abteilung und zwei Burschen. Alle drei tranken gierig das Wasser, und dann brachten wir sie an die Wagen. In Kalkfontein erfuhren wir, daß schon 400 Mark Belohnung für das Finden der nun Geretteten ausgesetzt waren — wir gaben ein Telegramm an Major Traeger auf.
Joseph Kippert,
ehem. Reiter der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Chateau-Salins (Lothringen).
-j- rsr
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Wie man sich hilft.
Im Laufe der Operationen sammelten sich auf den Stationen immer mehr Pferde an, die schlechte Fresser waren; zum Teil war dies eine Folge der überstandenen Maulseuche, bei den meisten jedoch hatte es seine Ursache in dem Überwachsen des Zahnfleisches.
Man machte allgemein die Bemerkung, daß im Dung unverhältnismäßig viele unverdaute Haferkörner sich befanden und die Tiere täglich mehr abmagerten; es mußte unter allen Umständen Abhilfe geschafft werden.
Reiter Jpiepl, Kippert.