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Witbooikapitän Sebulon in die Hände gefallen seien. In unerschrockenem Wagemut war Leutnant von Schweinichen, der Kommandant des Postens, mit nur drei Reitern den Räubern nachgeeilt. An den steilen Rändern des Fischflusses wurde er/von vielen Geschossen durchbohrt, ein Opfer seines Heldenmutes, mit ihm zwei Reiter. Nur einer kam verwundet davon.
Der Etappenkommandant von Kub, Hauptmann Grützmacher, ersuchte alle in der Umgebung befindlichen Formationen um Abgabe von Reitern zur Aufnahme der Verfolgung. Leute hätte es zur Not gegeben, doch mangelte es an Reittieren. Zufällig war gerade in Kuis die Kolonne des Hauptmanns Wulfs der 5. Kolonnenabteilung eingetroffen, die 25 Berittene stellen konnte. Die 1. Kolonnenabteilung stellte 15 Reiter, während ich mich mit acht Reitern (Oberarzt Strahler, Unteroffizier Bold, Gefreiter Dohlus, Häuser und vier Mann) des Feldlazaretts Nr. 13 anschloß — die Hälfte auf Pferden, die andere auf Maultieren beritten.
Den Spuren des Gegners folgten wir durch die Täler des Fisch flusses und das Nebental des Packriem. Vom Nachmittage des zweiten Tages an mußte» wir die Täler verlassen und durch das wilde Geröll der zerklüfteten Fischflußberge ohne jede Pad die mühevolle Verfolgung fortsetzen. Bergauf, bergab, mit unheimlicher Geschwindigkeit hatte der Gegner das Vieh vor sich Hergetrieben. Oft trafen wir halbverzehrte Tiere neben noch glimmenden Kochfeuern. Jeden Augenblick hofften wir an den Gegner zu kommen. Da bot sich uns plötzlich ein entsetzlicher Anblick. In einer Schlucht sahen wir 600 tote Schafe und Ziegen liegen. Die Hottentotten hatten alles erschlagen, was nicht mehr mitkommen konnte, um uns den Besitz des Viehes nicht zu gönnen. Und so erreichten wir an diesem Tage den Gegner nicht mehr. Die Nacht, die die Spuren verdeckte, machte- der Verfolgung ein Ende. Wir verbrachten sie gefechtsbereit. Beim nächsten Morgengrauen genossen wir das letzte Stück Eierzwieback. Dann ging es weiter. Nach zwei Stunden erhielt plötzlich die rechte Seitenpatrouille Feuer. So schnell es das schwere Geröll und die huflahmen Tiere, die trotz der unermüdlichen Fürsorge unseres Fahnenschmiedes zum Teil ohne Eisen waren, erlaubten, gingen wir im Trabe vor. Doch der Gegner war wie vom Boden verschlungen. Einen Toten mit Gewehr, ein Dutzend Weiber und Kinder mit einigen Stück Vieh hatten sie zurücklassen müssen.
Wir suchten nun von den Weibern Näheres über die Abzugsrichtung des Gegners zu erfahren. Aber mit einem gewissen Heroismus suchten sie uns mit der unschuldigsten Miene auf eine falsche Spur zu führen. Mit dem frechsten Gesicht leugneten sie, überhaupt etwas von einem Viehdiebstahl zu wissen, und wiederholten fortwährend nur Sebulon, Sebulon — und zeigten dabei nach einer ganz falschen Richtung.
Aber die beiden Buren, die uns als Führer dienten, hatten die Spur nicht verloren, die auf dem nackten Felsen nur dem geübten Auge sichtbar war. Bei glühendster Hitze folgten wir ihr, bis wir wieder nach vielem Kreuz und Quer an den Fischfluß gekommen waren, etwa 90 Kilometer südlich von Kub. Wir waren 24 Stunden ohne Wasser. Unsere Hoffnung, es in dem trockenen Flußbett zu finden, wurde getäuscht. Aber das Durstgefühl wurde unterdrückt durch die gespannte Erwartung auf kommende Ereignisse. Die Spitze, unter Führung des bald darauf gefallenen Leutnants von Abendroth, überschritt das trockene, 300 Meter breite Rivier. Der Haupttrupp blieb hinter den steilen Uferfclsen am diesseitigen Ufer zurück; ich hatte die Verbindung zwischen Spitze und Hnupttrupp herzustellen. Als längere Zeit drüben alles ruhig blieb, sandte ich meine Pferde hinüber und war gerade selbst in der Mitte des Riviers angelangt, als es auf einmal um mich herumpfiff und Hauptmann Grützmacher mir zurief, den Haupttrupp heranzuholen. Also wieder zurück, und mit dem Hut die Abteilung herangewinkt. Die Sache war bald erledigt. Drei tote Hottentotten mit 98 er Gewehren hatte der Gegner zurücklassen müssen. Im dichten Busch auf weniger als 30 Schritt hatte sich das kurze, erbitterte Gefecht abgespielt. Mittlerweile war es 1 Uhr mittags geworden, wir mußten mit allen Kräften sehen, ans Wasser zu kommen. Endlich, nach mühseligen zwei