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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Nach beschwerlichem Marsche hielten wir hoch oben in den Karrasbergen eine kurze Nachtruhe auf hartem Lager. Am Horizont loderten die Grasbrände zum Himmel empor. Die Hottentotten hatten das Steppengras angezündet, um unseren Tieren die Weide zu ver­nichten. Es war ein stimmungsvolles Bild am Vorabende eines Gefechtes. In Erwartung des kommenden Tages sprachen wir bis in die Nacht hinein von den bevorstehenden Kämpfen. Was wird uns die nächste Zukunft bringen?

Man träumt von Siegeskränzen,

Man denkt auch an den Tod."

Beim Morgengrauen des 11. März wurde der Vormarsch angetreten. Die Kom­pagnie d'Arrest und zwei Geschütze der Batterie von Kleist bildeten die Avantgarde. Nur mühsam gelangten wir über Felsgeröll hinweg in den wildzerklüfteten Karrasbergen vor­wärts. Es war ein wundervoller Morgen, die Sonne lachte vom ewig blauen südafrikanischen Himmel zu uns hernieder, manchem vielleicht zum letzten Male.

Es ist für den jungen Soldaten ein eigenartiges Gefühl, zum ersten Male in den Kampf zu treten und die ernste Probe zu bestehen, auf die alle Friedensarbeit gerichtet ist. Man fühlt sich gehoben in dem stolzen Bewußtsein, sein junges Leben einzusetzen für Kaiser und Reich, man ist ernst gestimmt; aber es ist ein freudiger Ernst.

Um 9 Uhr vormittags hatte das Detachement soeben eine jener gefährlichen Schluchten des Karrasgebirges durchschritten, und eine ausgedehnte Hochfläche lag vor uns, als Leutnant von Westernhagen, der die Spitze führte, die ersten Hottentotten sah. Ich erhielt Befehl, mich mit meinem Zuge links davon zu entwickeln.

Um 9,15 Uhr vormittags fiel der erste Schuß.Hinlegen!" Nichts zu sehen.Auf! Marsch, marsch!" Nachdem wir etwa 300 Meter vorgegangen waren, erhielten wir Feuer aus Front und Flanke; aber kein Gegner war zu sehen, so vorzüglich hatten es die Hottentotten ver­standen, sich an dem 400 Meter entfernt liegenden Rande einer Schlucht einzunisten. Rechts und links schlagen die Geschosse ein, ein Schuß sauft dicht an meinem Kopfe vorbei; Unteroffizier Zeusen meines Zuges, der links von mir auf einer kleinen Anhöhe liegt, ist eben im Begriff, sein Gewehr abzudrücken, als ihm ein feindliches Geschoß den rechten Arm und rechten Oberschenkel durchschlägt. Reiter Stern, mein rechter Nebenmann, fällt; ein Schuß ins Herz hatte seinem Leben ein Ende bereitet. Bald fühle auch ich einen heftigen Schlag im linken Unterschenkel, ich bin getroffen.

Man möchte die Gegner unter Feuer nehmen und es ihnen heimzahlen, aber man sieht nur ganz vereinzelte.

Jetzt habe ich verstanden, was die Leere des Schlacht­feldes bedeutet, von der im Burenkriege so oft die Rede war. Es ist ein unangenehmes Gefühl, beschossen zu werden von einem Gegner, der selbst fast unsichtbar ist.

Unterdessen wurde vom Führer das Gros ein­gesetzt und der Gegner in der Besorgnis, umgangen zu werden räumte die Stellung. Assistenzarzt West- phal verband mich. Wir waren zusammen hinausgefahren und hatten manchen Scherz an Bord des Schiffes getrieben; daß ich der erste sein würde, den er verbinden sollte, hatte er nicht geglaubt. Zugleich mit dem verwundeten Unter­offizier Jensen wurde ich unter einen Dornbusch getragen.

Leutnant Funk.