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zwischen zwei Bergkegcln am Hamrivier Nachtruhe hielt. Es wurde noch 500 Meter weit vorgeritten, dann abgesessen und die Pferde in sicherer Stellung gekoppelt. Alles in totenähnlicher Stille! Kein Rauchen, kein Sprechen! Vor uns der Talkessel — fern ein Feuer! 30 Meter hohe Felskuppen umschlossen das Tal. Nasch disponierte unser Hauptmann. Unser Zug, unter Leutnant Ebeling, sollte die Kuppe links des Feuers, der erste Zug die Höhe rechts und der dritte das Flußbett desHamriviers besetzen. Es war 1 Uhr nachts —- stockfinster! Mit äußerster Vorsicht erklommen wir den Bergkegel — auf allen vieren kriechend. — Kein Ton! In der Ferne heult eine Hyäne. — Mann hinter Mann kletternd, erreichen wir den Kamm. Vorsichtig spähen wir aus — richten uns geräuschlos zur Verteidigung ein —, jeder rollende Stein konnte uns verraten, — dann — eine Art Halbschlaf — die Natur verlangt ihr Recht. Um 4,30 bricht der Tag au. Ein Posten steckt sich die Pfeife an — das genügt — es fällt der erste Schuß und als Antwort wohlgezielte Schüsse unter die noch friedlich lagernden Hottentotten. Unglaublich schnell sind sie in ihren Stellungen verschwunden. Kein Schwarzer zu sehen — aber lebhaftes Feuer von hüben und drüben, sobald sich nur etwas im Gelände regt. Rasch steigt die Sonne. Die Hitze wird unerträglich, der Durst quält! Im Tale weiden Tiere der Hottentotten. Viele sind abgeschossen. Dann fällt mir die Aufgabe zu, von der Wasserstelle — 700 Meter von uns — in Säcken Wasser zu holen. Ich klettere hinab — Gewehr schußbereit. Unten gewahre ich im dichten Busch ein gesatteltes Pferd. Ich stutze! Wo ist der Reiter? Vorsichtig trete ich vor — dann hinauf auf den elenden Gaul — besser reiten als laufen! Und vorwärts im Galopp — was die Mähre und die Sporen leisten können — verfolgt von Geschossen — zur Wasserstelle. Die lag geschützt durch Klippen. Schnell sind die Säcke gefüllt, ist die Mähre getränkt und — wieder hinauf auf das Roß. Das Feuer ist noch ärger als vorher. Jetzt bricht das Tier unter mir zusammen. Wie die Kugeln pfeifen! Ich habe aber keine Zeit zu verlieren — ergreife die Wassersäcke. Von Busch zu Busch, von Klippe zu Klippe in Deckung springend, erreiche ich den Abhang — die Kameraden! Ach, wie sie dursteten!-Und weiter dauert der Feuerkampf.
Schon ward es Abend, als plötzlich ein schweres Gewitter niederkam — eine wahre Sonnenfinsternis brachte es mit sich. Als es wieder Tag wurde — war der Feind, geschützt durch das Unwetter, aus seiner Stellung verschwunden. 40 gute Reittiere hatten die Hottentotten zurückgelassen und 3 Tote — darunter den Bruder Morengas. Wir aber hatten einen Toten — Vizefcldwcbel Block — und 7 Verwundete verloren — auch unser tapferer Hauptmanu und Leutnant Ebeling waren dabei.
Otto Jaeger,
ehem. Sergeant der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika.
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Als erster in der feindlichen Stellung bei Ganarns.
27. April 1905.
„Endlich nahen die langweiligen Friedensverhandlungen sich ihrem Ende!" wird wohl mancher von der Kompagnie von Erckert mit mir am dritten Osterfeiertag ausgerufen
Sergeant Ltto Jaeger.