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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Feuer auf 400 bis 600 Meter vom Feinde, der dies­mal bedeutend besser schoß, als in den letzten Gefechten.

Viel mehr Leute durfte ich nicht verlieren, sonst wäre die Bedienung in Frage gestellt gewesen. Und was das Schlimmste war: würden die Kapstädter Treiber, bei dem andern Geschütz sogar Hottentotten die doch gar kein Interesse daran hatten, sich totschießen zu lassen, nicht im kritischen Momente versagen? Ich hielt es, offen gesagt, unter diesen Umständen fast für unmöglich, vor­zugehen. Ganz anders dachte die Bedienung vom ersten Geschütz, insbesondere ihr Geschützführer Sergeant Schulz, ein Hüne von den mecklenburgischen Dragonern, der schon seit sechs Jahren im Lande war.Wir müssen vorgehen!" war ihre Meinung.

Die Protzen wurden heranbeordert, den schwarzen Treibern nochmals viel Rum und Tabak versprochen, undAufprotzen!" ertönte das Kommando.

Aber wie so oft: wenn der Augenblick kritisch ist, geht's schief! Die schwerfälligen Tiere, denen die Protze in die Fersen rollte, konnten im richtigen Momente nicht zum Stehen gebracht werden. Es ge­lang das erst auf halber jenseitiger Düncnhöhe durch Herumfahren.

Ohne sich zu besinnen, packten die braven Kanoniere, vom Fähnrich Dunckcr angefeuert, selbst zu

und rollten die

Lafette abwärts, bis aufgeprotzt werden konnte. Dann ging's in dem für unsere Ungeduld viel zu langsamen Ochsentcmpo unter dem Geschrei der Treiber bis in die Schützenlinie vor. Es ist mir jetzt noch unbegreiflich, daß wir außer einigen angeschossenen Zugtieren keinen Verlust zu ver­zeichnen hatten. Allerdings entlastete uns die Halb- kompagnie von Livonius, welche die ganze Zeit über Schnellfeuer abgab, so daß sich der Feind wohl scheute, den Kopf hochzustecken. Bald revanchierten wir uns, und das feindliche Feuer, das wir auf 300 und 400 Meter erhalten hatten, entfernte sich. Die Kompagnie konnte vorgehen endlich! nachdem der Kampf hier lange gestockt hatte. Wir folgten mehrmals sprungweise mit in der Schützenlinie. In der dritten Stellung mußte ich zehn Minuten lang auf 100 Meter schießen. Die Kartätschen, für uns neu­angefertigt, bewährten sich dabeiwie auch sonst vor­züglich. Blutige Hüte, Gewehre, angeschossene Hotten­tottenpferde usw. erzählten uns genug von unseren Treffern. Außer meinen Verlusten hatten die anderen Truppenteile noch zwei Tote, zehn Verwundete verloren.

Oberleutnant Alirens.

Oberleutnant Stuhlmann.