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Den Beschluß dieser Kämpfe machte das Gesecht bei Zwartfontein am 7. Januar, und damit war der heißumstrittene Anobabschnitt, wo sich die Eingeborenen so sicher gewähnt hatten, in unserer Hand und die Kolonne Meister, die seit Tagen bei Groß-Nabas im blutigen Ringen gestanden, entsetzt.
Von meinen Unteroffizieren und Reitern wurden 21 dekoriert und fast der ganze Rest zur nächsthöheren Charge befördert. Mir hatten diese Gefechte zu dem für „Waterberg" verliehenen Kronenorden 4. Klasse mit Schwertern den Roten Adlerorden 4. Klasse mit Schwertern eingebracht.
Stuhlmann,
ehem. Oberleutnant der Kaiser!. Schntztruppe f. D.-Siidwestafrika.
Zuviel Wasser!
Alan sollte es kaum glauben, es könne in Afrika vorkommen, daß zuviel Wasser vorhanden ist. Wir, 5. Kompagnie 1. Feldregiments, lagen im Januar 1906 in Kranzplatz unweit von Gibeon. Kranzplatz liegt linksseit des Fischflusses. Unsere Weide für das Vieh befand sich rechts vom Fischsluß. Eines Tages ward ich bestimmt, mit auf Viehwache zu ziehen. Am Mittag trieben wir mit unseren Pferden und Ochsen nach der anderen Seite des Flusses, um auf die Weide zu gelangen. Bemerken will ich hier, daß der Fischsluß das ganze Jahr wenigstens etwas Wasser führt, wogegen andere Flüsse zum Teil nur während der Regenzeit wasserhaltig sind, dann aber häufig zu reißenden Strömen anschwellen. Unser Vieh stand ungefähr 1000 Meter vom Ufer entfernt. Plötzlich hörten wir ein Rauschen und sahen erschreckt, daß der Fischfluß sich immer mehr mit Wasser füllte. Es dauerte nicht lange, so sing es auch heftig zu regnen an. Was sollten wir jetzt anfangen? Das Wasser stieg immer mehr, wir konnten mit dem Vieh das andere User, wo die Kompagnie lag, nicht mehr erreichen und waren gänzlich abgeschnitten. Der Regen goß in Strömen auf uns nieder. Wohin mit den Tieren?
Es war mir gelungen, eine Unterkunft für die Nacht zu finden. Ich war am Nachmittag während der Zeit, als ich nicht Posten stand, auf die Jagd gegangen, dabei hatte ich,
20 Minuten von unserer Wache entfernt, ein verlassenes Haus stehen sehen, in dessen Nähe sich auch ein großer Viehkral (abgehauenes Buschwerk bildete eine Umzäunung für das Vieh in der Nacht) befand. BeideS war uns für die Nacht sehr angenehm, und schnell nahmen wir Besitz davon. Die Tiere wurden in den Kral getrieben und Posten aufgestellt, die übrigen Leute brannten sich in dem Hause ein Feuer an, um die durchnäßten Kleider zu trocknen. So verbrachten wir die Nacht. Am anderen Tage war der Fisch- fluß noch nicht Passierbar, denn es hatte während der ganzen Nacht geregnet. Einzelne Kameraden der Kompagnie versuchten vergebens, durch Schwimmen unser Ufer zu erreichen, um uns mit Proviant zu versorgen, sie hatten auch ein Holzstoß gebacit, die Strömung aber war zu reißend, um durchzukommen. Einigen gelang es endlich, durchzuschwimmen,
Gefreiter M. Lemnitz.
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