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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Wir waren 9 Mann beim Maschinengewehr. Die 2 Zentner und die dazu gehörigen 1000 Rescrvepatronen mußten beim steilen Aufstieg getragen werden, außerdem noch das eigene Gewehr, den Patronengurt und natür­lich die Feldflasche. Langsam, von Fels zu Fels kletternd, kamen wir vorwärts. ' Mitunter erschien es unmöglich, die Steinblvcke mit der schweren Last zu überwinden, aber es ging doch. Zuerst ein Mann hinauf, der zog den nächsten am Kragen nach; dann wurden die Tragegurten zusammengebunden und Gewehr und Patronen hinaufgezogen. War die Arbeit vollbracht, ging's weiter zur nächsten Klippe. Die Sonne brannte entsetzlich auf das Gestein. Die Feldflaschen waren bald leer. Aber was half's? Wir waren wie aus dem Wasser gezogen. Immer höher hinauf Klippe für Klippe! lind dann kam noch eine riesige Felswand, die gar nicht zu ersteigen schien auch nicht mit Hilfe der Kompagnie. Wir waren noch lange nicht auf der Spitze des Berges, aber weiter ging's nicht. Wir brachten unser Gewehr in Gefechtsstellung, und dann trat eine unendliche Mattig­keit ein. Aber die Spannung blieb doch! Welch ein Anblick von da oben! Bon unserem Fels aus sahen wir in der Ferne die Kämpfe der Abteilungen von Estorfs, von Mühlenfels, und ganz fern von der Heyde. Geschützdonner, Gcwehrknattern traf unser Ohr ununterbrochen. Große Viehherden, von Schwarzen getrieben, zogen staubaufwirbelnd davon. Granaten sausten dazwischen. Rauchsäulen brennender Pontoks! Lange Grasflächen gerieten in Brand. Wir sahen die Kapitäne, hoch zu Roß, mit der Peitsche die Untertanen vortreiben. Wir aber mußten fünf Stunden lang untätig bleiben. Da plötzlich kommt unten eine Hererobande mit Vieh vor uns in Sicht, und sofort rollt unser Feuer aus dem Versteck vernichtend. Was noch lebt, flieht! Drei Hereros und das gesamte Vieh fallen in unsere Hände.

Die Sonne sank. Ein Blick noch auf das Tal des Kampfes! Wie mancher Kamerad und Freund mochte dort den Heldentod sterben?

Dann unser mühsamer Abstieg.

H. Nehbock,

chem. im Maschinengewehrzug Namutoni der Kaiser!.

Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Helmstadt.

* -jr

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Überfall von Ochsenwagen.

Am Gausobrivier, 22. April 1906.

Die 6. Kompagnie 2. Feldregiments, von Benti- vegni, hatte den Auftrag, die Karrasberge von zurück­gebliebenen Hottentotten zu säubern und marschierte am Sonnabend, den 22. April 1906, am Abhänge des Gebirges

H. Rehbnik.

Reiter Heinrich Schulz.