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Von der Wasserstelle Kue-Kue nach Osten, um das ehemalige Mvrengalager, wo mehr Wasser und Weide sein sollte, zu beziehen. Ich gehörte zur Deckung des Esclkarrens. Die Ochsen- wagen waren bei dem Marsche in dein klippenreichen Terrain auf unwegsamer Pad unter Deckung etwas zurückgeblieben. Während in der Nacht Hauptmann von Bentivegni mit dem größeren Teile der Kompagnie wieder vorrückte, um eine Hottentottenbnnde beim gemeldeten Lagerfeuer aufzuheben, wurden am Sonutagmorgen, den 23. April, unsere Ochsenwagen von zahlreichen Hottentotten überfallen. Nach tapferer Gegenwehr, bei der Zahimeisteraspiraut Wenda tödlich getroffen wurde, trieben die Hottentotten unsere 60 Ochsen ab. Wir folgten mit Patrouillen der Bande, die einen Rest der nach Westen abgezogenen Leute Johannes Christians bildeten. Aber natürlich wäre das nutzlos gewesen, wenn nicht unser Hauptmann vorn das Schießen und den Lärm gehört hätte und herbeigeeilt wäre. Nun kam die Sache anders, als die Hottentotten eS sich gedacht hatten! Mit „Hurra!" ging's vorwärts, und um 2 Uhr nachmittags hatte die 6. Kompagnie die Räuber am Kragen und ließ sie nicht los. Zwei Stunden hielten sie noch im blutigen Kampfe aus, aber unaufhaltsam drang Hauptmanu von Bentivegni vor — endlich floh der geschlagene Feind, seine Toten (6) zurücklassend, in die Berge. Wir aber nahmen unsere Ochsen zurück, von denen die Räuber leider schon 10 geschlachtet hatten. 2 Stunden Ruhe, — Begräbnis — und dann Weitermarsch.
Heinrich Schulz,
ehern. Reiter der 6. Kompagnie 2. Feldregiments d. Kaiser!. Schutztruppe s. D.-Südwestafrika.
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Episode aus dem Gefecht bei Otjunda (Sturmseld),
am 6. Mai 1896. ch
I.
Unter Leutwein.
Der Morgen des 6. Mai hatte noch nicht zu grauen begonnen, das Lachen der Hyänen und das Gekläff der Schakale war kaum verstummt, als sich unsere Truppe mit den verbündeten Hereros und Witboois unter Führung des Landeshauptmanns in Bewegung setzte. Die Werften der vereinigten Onabandjern (Hcrervstamm) und Khanashottentotten waren uns von Kundschaftern tags zuvor bei den Wasserlöchern von Otjunda gemeldet worden, und Major Leutwein wollte heute den entscheidenden Schlag gegen den Feind führen, den wir schon tagelang verfolgt hatten.
In halber Dunkelheit traten wir den Vormarsch an. Der Major sagte zu mir: „In zwei Stunden wird mancher von uns nicht mehr die Sonne sehen!" denn wir machten uns auf heftigen Widerstand gefaßt.
Unser Auf- und Vormarsch ging, trotz reichlichen Dornengestrüpps, fast wie auf dem Exerzierplatz vor sich. Die drei Geschütze unter dem Oberleutnant der Landwehr a. D. Hermann, der bei Ausbruch des Witbooianfstaudes 1904 von den Witboois ermordet wurde, ungefähr in der Mitte, die drei Kompagnien, unter dein Oberleutnant der Reserve von Linde- quist (jetzt Uuterstaatssekretär im Neichskolonialamt), dem Leutnant Schmidt und mir, rechts und links von der Batterie. Unsere Bundesgenossen: die Hercros unter ihrem Oberhäuptling Samuel Maharero und dem der Hererosprache mächtigen Kaufmann Gustav Vvigt, auf dem linken Flügel; die Witboois unter ihrem Kapitän Hendrik Witbooi und dem Oberleutnant der Reserve von Burgsdorff, der ebenfalls als Opfer des Witboviaufstandes
y Unter den Mitkämpfern von 1894 und 1896 tritt auch der bei Bleßkranz verwundete Gefreite der 2. Kompagnie (von Sack) Martin Reichet ruhmvoll hervor, der jetzt als Ganzinvatide in Berlin lebt.