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Heereswesen : (Gruppe XVI) ; Heeresbekleidungs- und Ausrüstungswesen ; (Gruppe XVI, Section 1, a) ; Bericht ; Das Heeres-Verpflegungswesen : (Gruppe XVI, Section 1, b) ; Bericht / von Carl Mayer, k.k. Hauptmann des Monturdepot Nr. 4 ; von Alexander Poppović, k.k. Militär-Unter-Intendant
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Das Heeres- Verpflegswefen.

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oder Locomobile eventuell auch mit Göpel angetrieben und um mäfsigen Preis angekauft werden können.

Diefe Uebereinftimmung in den Principien dürfte als eine Erkenntnifs des vielfältigften Bedürfniffes und als ein Hinweis gedeutet werden können, wo der Vortheil des Fabrikanten mit dem des Confumenten zufammenfällt, und vielleicht auch der Militärverwaltung zur Anregung dienen, die Anfchaffung folcher Mühlen in Combination zu ziehen, wobei mit Rückficht auf die eventuelle Benützung im Felde mit Göpelantrieb fich die eingängigen, jedoch fo conftruirten Mühlen empfehlen würden, welche blofs durch Verkuppelung oder Verlängerung der Antriebswelle verbunden für gewöhnlichen Gebrauch durch einen Dampfmotor getrieben werden können.

Da in diefem Berichte fo viel wie möglich zu vermeiden gefucht wird, Firmen zu citiren oder anzuempfehlen, fo wird nur noch erwähnt, dafs die aus­geftellten Mühlen ein- und zweigängig, mit und ohne Sortirkaften( Mahlkaften mit Beutel- oder Cylindervorrichtung), auf eifernen, hölzernen Geftellen und auf dem Wagen zum Antrieb mit 4, beziehungsweife 8 bis 10 Pferdekraft und zumeift be­ftechend fchön conftruirt waren.

Zumeift waren es franzöfiche Steine, mit welchen fie verfehen waren, oder zu verfehen wären, und zwar mit Durchmeffern von 36 bis 48 Zoll.

In Verbindung mit den Mühlen muss noch der folgenden Geräthfchaften gedacht werden.

Ob die Mühle mit Dampf( Dampfmafchine oder Locomobile), mit Waffer­kraft oder Göpel( mit Pferden) angetrieben werden folle, hängt von den localen Verhältniffen, von der Höhe der erforderlichen Kraft und vom Calcul der Aus­nützung, ob nämlich die Mühle eine beftändige oder nur eine zeitweilige Befchäf­tigung findet, ab.

Der Antrieb der Mühle mit Dampf empfiehlt fich wegen feiner conftanten und höheren Kraft, zufolge deffen ein befferes Product und eine gröfsere Ergiebig­keit erzielt werden kann.

Mit faft gleichem Vortheile kann die Wafferkraft, natürlich dort wo fie geboten ift, angewendet werden.

Für den Betrieb mit Göpel wären nur die eingängigen Mühlen verwendbar und würde fich diefer Motor nur mit Rückficht auf die Einrichtung für die Ver­wendung bei der Armee( jedoch nicht unbedingt) und für folche Garnifonsorte empfehlen, wo die Mühle keine ununterbrochene Befchäftigung findet, demnach die Pferde zur Zufuhr des Getreides, zur Ueberführung von Holz, Stroh und dergl. Locodienft mit Vortheil verwendet werden könnten; und fchliefslich hat der Betrieb mit Göpel noch einigen Vortheil darin, dafs die Kenntnifs der Dampf­mafchine oder Locomobil- Behandlung überflüffig wird und das Mahlwerk mit mehr Beruhigung dem Verpflegs- Handwerkerperfonale anvertraut werden kann. In jenen Fällen, wo eine Dampfmafchine Befchäftigung findet, wird fich übrigens die Befoldung eines geprüften Heizers, wenn er auch aus dem Civile aufgenommen werden müfste, müfste, aller Wahrfcheinlichkeit nach auch lohnen.

Verhältnifsmässig hatten die Fabriken in der öfterreichiſch ungarifchen Monarchie die meiſten Göpelvorrichtungen mit einfachen und doppelten Ueber­fetzungen für ein bis fechs Pferde ausgeftellt.

Erwähnt mufs noch werden der patentirte Schraubengöpel, mit Eifen oder Holz zu fundamentiren, welcher vermöge feiner fehr einfachen und compen­diöfen Conftruction und leichter Transportabilität bei fonft entſprechenden Eigenfchaften fich empfiehlt.

Das Locomobil, welches wie oben gedacht wurde, zum Antrieb der Mühle verwendet werden kann, wäre beffer als der Göpel, wo es die localen Ver­hältniffe geftatten, da es auch bei Aufzügen, beim Waffer- Pumpwerk, zum Antrieb grofser Getreide- Putzmafchinen u. dergl. mehr in den Magazinen verwendbar.