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Allgemeine Bewaffung und Artilleriewesen : (Gruppe XVI, Section 2) ; Bericht / von Gustav Semrad u. Johann Sterbenz
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Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen.

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Laffete und Rahmen beftehen aus eifenblechernen, durch Bolzen und Riegel verbundenen Fachwänden; den vorangedeuteten Brems mechanismus bilden folgende Haupttheile: die zwifchen den Rahmenwänden befindliche, vorn und rückwärts in metallenen Lagern ruhende, ftählerne Schraubenfpindela mit vierfeitigem Querfchnitte und die Schraubenmutter b.

Am vorderen Ende der Schraubenfpindel ift eine conifche eiferne Scheibe c befeftigt, welche in die Ausnehmung der auf dem vorderen Schraubenfpindel­Lager d aufgefchobenen, fchmiedeifernen Hülfe( Bremstrommel) e pafst. Die gegen einander ftehenden Flächen der Scheibe und der Hülfe find mit Zähnen verfehen. Die Bremstrommel ift von zwei metallenen Bremsbändern fund g umgeben, welche mittelft Druckfchrauben mehr oder weniger angezogen werden können. Das Bremsband f hat immer eine conftante Spannung, während jenes g, deffen Schraube mit einem Zeiger fammt Scala in Verbindung fteht, nach Bedarf ange­zogen und fo der Druck regulirt werden kann. Die gufseiferne Schraubenmutter hat eine Länge von 20 Zoll und befitzt an beiden Enden mit Filz gefütterte Stopf­büchfen, wodurch das Ausfliefsen des Schmieröles verhindert und das felbftthätige Reinigen der Schraube ermöglicht wird. Um das Verbiegen der Spindel beim Schiefsen in Folge allenfalfigen Auffpringens der Laffete zu vermeiden, ift die Mutter mit derfelben nicht verbunden, fondern hat ein Gufsftück h, welches gegen die beiden auf der Mutter befeftigten Rollen i drückt.

Wenn nun die Laffete zurückfpielt, reifst fie die Mutter mit fich und fetzt die Spindel in rotirende Bewegung. Durch den Widerftand, den die Spindel der zurückgehenden Mutter entgegenfetzt, wird die erftere zurückgezogen, und es treten die Zähne der beiden Flächen in Eingriff. Indem aber dadurch die Brems­trommel gezwungen wird, an der Rotation der Spindel Theil zu nehmen, kommt die Reibung in der Bandbremfe zur Wirkung, welche dann die Arbeit des Rück­laufes aufnimmt.

Es ift einleuchtend, dafs durch das ftärkere Anziehen der Bremsbänder­Schrauben die Reibung beliebig vermehrt und der Rücklauf befchränkt werden kann. Am rückwärtigen Ende des Rahmens find Puffer angebracht für den Fall eines zufällig ftärkeren Rücklaufes.

Soll die Laffete vorwärts bewegt werden, fo ift das Auslöfen der Band­fchrauben nicht nöthig, weil die geringfte Vorwärtsbewegung der Laffete ein Aus­rücken der Zähne bewirkt, wodurch die ungehinderte Bewegung der Schraube mit der conifchen Scheibe gefichert ift.

Das rückwärtige Spindellager befteht aus einer Mutter k und aus einer hohlen, mit einem Hebel verfehenen Schraubenfpindel Z. Wird letztere um 180 Grad nach links gedreht, fo fchiebt fie die Bremsfchraube, indem fie gegen einen Abfatz derfelben drückt, nach vorwärts, und verhindert auf diefe Weife eine Annäherung der Scheibe und dadurch einen Eingriff der Zähne.

Um die freiwillige Vorwärtsbewegung der Laffete längs des Schlittens bei den Schwankungen des Schiffes zu verhindern, ift am hinteren Ende der Brems­fchraube eine regulirbare Bandbremfe m angebracht, welche mittelft einer Hand­fpeiche fehr leicht zur Wirkung gebracht werden kann.

Aus diefer Befchreibung ift zu entnehmen, dafs die Bremfe vollkom­men felbftthätig wirkt, und dafs, fobald die Spannung der Bänder der Ladung entſprechend vorgenommen worden ift, diefelbe keiner weiteren Aufmerk­famkeit bedarf, fo lange mit der nämlichen Ladung gefeuert wird.

Beim Vorrollen der Laffete löft fich die Bremfe von felbft aus, und kann durch die Drehung eines Hebels gänzlich und dauernd aufser Thätigkeit gefetzt werden, wodurch das Vor- und Zurückführen des Gefchützes während des Exer­cirens oder zu anderen Zwecken ermöglicht ift.

Die Einrichtung zum Vor- und Rückwärtsführen der Laf­fete befteht aus zwei Stirnrädern n, welche in die ovalen Einfchnitte der an den inneren Längenfeiten des Rahmens befeftigten Winkeleifen eingreifen und zugleich