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Dr. Mofetig von Moorhof.
wand angebracht. Eine Holzwinde ermöglicht das Aufziehen und Niederlaffen der Bahren. Offenbar mufs man beim Aufladen den Wagen über die Bleffirten fchieben, und letztere dann mittelft der Tragbahren aufziehen und festhängen. In Frankreich und Italien find derartige Wagen zum Fortfchleppen von fehr fchwerem Baumateriale in Gebrauch.
Da wir hiemit die Reihe jener Bleffirtenwagen abfchliefsen, in denen das Syftem der Suspenfion zur Anwendung kommt, möchte ich zur Klärung meines Standpunktes bemerken, dafs ich jede Suspenfion mit langen Riemen oder Gurten abfolut verwerfe, da durch diefelbe die Erfchütterung des Verwundeten nicht vermieden wird; im Gegentheile wird derfelbe durch das Anprallen an den Seitenwandungen des Wagens heftig erfchüttert; im hohen Grade anerkenne ich dagegen die kurze Suspenfion, welche das Anprallen nicht ermöglicht und die Gewalt der Stöfse bricht, da diefe fich nicht dem Körper des Verwundeten mittheilen, fondern nur die Tragbahre in fanfte Schwingungen verfetzen. Wer nur einmal in feinem Leben über holperige Wege auf einer kurz fuspendirten Trag. bahre gefahren ift, der wird gewifs meine Meinung theilen, und diefem Syfteme die vollfte Gerechtigkeit widerfahren laffen.
Dr. Mühlwenzel. Project zur Umgeftaltung eines öfterreichifchen Bleffirtenwagens nach den Principien der einheit lichen Tragbahre für 2 Liegende oder 6 Sitzende. Nicht ift diefs fo zu verftehen, als ob diefe Wagen früher eigene Tragbahren gehabt hätten, nein, fie hatten gar keine Tragbahren, fondern nur zwei Lagerftätten, die durch eine amovible Längswand von einander getrennt waren. Mühlwenzel veränderte nun diefe Lagerftätten derart, dafs auf ihnen 2 reglementäre Tragbahren fixirt Platz finden können. Der Wagen ift fonft fehr nieder, hat keinen Durchlauf, fondern Langwiede, kein feftes Dach, und an der Rückwand ſtatt dem Klappboden einen Sitz ähnlich den Munitionswagen, auf dem einige Leichtbleffirte fitzen können.
Dr. Näher in München. Kleines Modell eines Transportwagens für 6 Liegende oder 10 bis 12 Sitzende, oder 4 Schwer und 6 Leichtverwundete oder Fourgon. Man kann wohl daraus entnehmen, dafs es fich um einen fchweren, gefchloffenen Wagen handelt, der zu verfchiedenen Zwecken dienen kann. Suspenfion ift nicht vertreten.
Spanien hat einen zweirädrigen Ambulancewagen für 2 Liegende ausgeftellt. Er hat keine Tragbahren, fondern nur zwei getrennte Lagerftätten, und ift durch Vorhänge verfchliefsbar. Feftes Dach ohne Gallerie.
Zweirädrige Bleffirtenwagen find allgemein verworfen und mit wenigen Ausnahmen aus dem Militär- Sanitätsmateriale faft fämmtlicher Staaten ausge fchloffen worden. Die zweirädrigen Wagen fchaukeln und erfchüttern zu viel, find unficherer beim Fahren, und wiegen den fcheinbaren Vortheil einfpännig zu fein vollkommen durch die geringe Belaftung, die fie zulaffen, auf. Sie geftatten auch keine fo rafche Locomotion wie die vierrädrigen, da der Kutfcher das Saumthier oder das Pferd am Halfter führen und mitgehen mufs, denn die Leichtigkeit und Behendigkeit des italienifchen Jungen, der mit einer Hinterbacke fchwebend auf einer Gabelſtange feiner Timonella fitzen und im fchnellen Trabe davonfahren kann, wird man wohl kaum einem Fahrfoldaten zumuthen können.
Da ferner ein zweirädriger Wagen nothwendiger Weife entſprechend nieder fein mufs, fo kann er demnach für Sitzende nicht eingerichtet werden. Es genügt aber wohl die einfache Berechnung, dafs man mit einem vierrädrigen zweifpännigen Bleffirtenwagen 8 bis 10 Mann fortzubringen vermag, wogegen der Einfpänner nur 2 aufnimmt, um in der richtigen Beurtheilung und Wahl zwifchen beiden nicht fchwankend zu werden. Alle diefe Erfahrungen wurden an den zweirädrigen Bleffirtenwagen von Maffon in Frankreich fattfam beſtätiget.
Refumiren wir das bisher Gefagte, fo können wir die im Sanitätspavillon ausgeftellten Wagenmodelle in folgende Kategorien theilen.