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Militär-Sanität und freiwillige Hilfe im Kriege : (Gruppe XVI, Section 3) ; Bericht / von Mosetig von Moorhof, k.k. Primararzt und Universitätsdocent
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Dr. Mofetig von Moorhof.

zuzuführen, auf dafs die dortfelbft ankommenden Bleffirten fofort gefpeift werden können. Sie find ja unmittelbar nach der Verletzung, wenn die Waffe nicht gar zu arge Verwüftungen im Körper geftiftet hat, innerlich noch gefund, das Reactions. ftadium noch weit, warum nicht ihren Hunger ftillen und ihre Erfchöpfung mindern umfomehr, als oft ein längerer Transport ihrer harrt? Die Töpfe und die confer virten Nahrungsmittel, die man an die Hilfsplätze fchaffen foll, müffen ja, falls fie überhaupt anlangen, erft ausgepackt, es mufs Feuer gemacht, Waffer geholt und endlich längere Zeit gekocht werden. Und wenn plötzlich der Hilfsplatz amovirt werden mufs, was dann? Der Küchenwagen kann nachfahren, die Töpfe aber fammt dem Inhalte, die bleiben zurück und gehen verloren. Der Küchenwagen kann das Kochgefchäft beginnen während des Hinfahrens zum Hilfsplatze, hat alfo genügende Zeit, um frifches Fleiſch zu kochen, bedarf der bei Weitem weniger zuträglichen Conferven nicht fo exclufiv, und bietet fchon fertige Nah­rung, kaum dafs, ja noch ehe der Hilfs- oder Verbandplatz errichtet ift. Selbft wenn wir uns auf den Standpunkt der Bequemlichkeit ftellen, müffen wir den Küchenwagen gewifs den Vorzug einräumen vor den einzelnen Kochtöpfen, denn deren illuforifche Thätigkeit bewiefen ja hinlänglich die letzten Kriege, wo wenigftens wie ich und viele Collegen es erfahren haben, die Verwundeten aus­nahmslos, ohne gelabt worden zu fein, nach langer Irrfahrt in die Feldfpitäler einlangten, erfchöpft durch die überftandenen Märfche, erfchöpft durch das frühere Faften, erfchöpft durch die Verwundung; denn man glaube ja nicht, dafs die Truppen, welche ins Feuer geführt werden, früher gegeffen und ausgeruht haben: möge diefs in der Zukunft fo fein, in der Vergangenheit war es gewifs nicht der Fall. Im Angefichte des Feindes, kurz vor dem Kampfe, darf ja kein offenes Feuer angezündet werden, wo foll der Mann denn kochen? Und während des Marfches, wie geht es da zu! Einige Ochfen, wenn gerade vorhanden, werden fchnell gekeult, zerftückelt, das noch zappelnde Fleiſch in die Kochtöpfe geworfen und eine Stunde fpäter foll abgegeffen fein. Sehen wir von der äquivoken Suppe und dem harten Fleifchftücke ab, welches in die hungernden Mägen mit Haft getrieben wird, fo müffen wir fragen, wann ruht denn der Mann aus, wenn er Holz und Waffer bringen und kochen foll? Aber wie oft ftehen keine Rinder heerden in der Nähe, wie oft wird während des Kochens Alarm geblafen, und die brodelnden Keffel müffen unbenützt ausgeleert werden! Es find diefs keine Trug- und Wahngebilde, fondern traurige Wahrheiten, die fich leider oft genug wiederholt haben, und die in früheren Zeiten, wo noch perfönlicher Muth und körperliche Kraft in den Schlachten mehr gegolten haben als heutzutage, vielleicht zu manchem Mifserfolge geführt haben mögen; denn abgemattete, hungernde und durftende Soldaten können unmöglich jenes Actionsvermögen entwickeln, deffen fie unter befferen Verhältniffen im Stande wären. Denke man fich nun grofse Küchenwagen, welche den marfchirenden Truppen nachfolgen und während des Fahrens kochen; da wäre der Mann, trotz plötzlichen Alarmfchlagens, trotz mangelnder Rinderheerde ficher, gute Nahrung zu bekommen, und könnte nebft­dem auch in der Raftftunde wirklich raften und ruhen. Freilich erklären jetzt noch oft auch gewiegte Militäriften derlei Küchenwagen als utopifch und unmög lich; fie mögen es beffer verftehen. Vielleicht bringen die Fleifchconferven, die eine grofsartige Verwendung fchon im franzöfifch- deutfchen Kriege auf preufsifcher Seite, namentlich durch die berühmte und berüchtigte Erbswurft gefunden haben, und die in den nächften Kriegen noch gröfsere Dimenfionen zu nehmen verfprechen, wenn man wenigftens an die grofsen Confervefabriken denkt, die Deutſchland in den Rheingegenden zu erbauen Sinnes ift, vielleicht bringen die Conferven eine wohlthätige Aenderung in der bisherigen, gewifs fehr man­gelnden wenngleich koftfpieligen Verproviantirung der Truppen.

Wir wollen demnach die Frage von den Küchenwagen für Truppen offen laffen, betonen aber nochmals und ganz ausdrücklich deren Nothwendigkeit

für Bleffirte.