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Marinewesen : (Gruppe XVII, Section 1 bis 4) ; Bericht / von Alexander Friedmann, Civiling. in Wien
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Alexander Friedmann.

Tonnen, welcher für feine jetzige Fahrgefchwindigkeit von 13 Seemeilen eine Mafchine von circa 2000 indicirten Pferdekräften erheifcht, mit einer Mafchine von 200 indicirten Pferdekräften allen Anforderungen eines guten Waarentrans­porteurs entſprechen und mit einem Kohlenvorrathe von 120 Tonnen die gröfsten Reifen unternehmen können, da mit einem folchen Kohlenverbrauche das Schiff Intervalle abfoluter Windſtille von in Summe mehr als 12 Tagen beftehen und hiebei 1500 Seemeilen ohne Segel zurücklegen könnte.

Der Vortheil der Aushilfsmafchinen für Segelfchiffe ift alfo evident; auch fcheint diefs die entfcheidende Lofung für die Waarentransporte zu fein, und waren namentlich in der italienifchen Abtheilung mehrere Projecte für folche Schiffe zu fehen.

Die frühere Methode, auch die Perfonen- und Poftdampfer mit voll­kommenem, der Gröfse des Schiffes entſprechendem Segelwerke zu verfehen, fcheint nach den ausgeftellten Modellen und Zeichnungen nicht mehr zur Anwen­dung zu kommen, fowohl weil derartig ausgerüftete Schiffe eine ſehr grofse Befatzung erheifchen, als auch weil bei conträrem Winde felbft bei eingezogenen Segeln das Tau- und Takelwerk einen fehr grofsen Widerſtand bietet, welches die Gefchwindigkeit des Schiffes fehr beeinträchtigt; ein Umftand, der befonders bei Poftdampfern wichtig ift, da diefe Fahrzeit einhalten müffen, ihre Fahr­gefchwindigkeit ohnehin fchon knapp berechnet ift, alfo möglichst gleichmäfsig

fein mufs.

Die Frage, ob Schraubenfchiffe oder Räderfchiffe", ift bei gröfseren See­fchiffen zu Gunften der Schraube entfchieden, die, wenngleich fie bei ruhiger See nicht fo günftig arbeitet wie die Ruderräder, dafür bei bewegter See diefen gegen­über bedeutend im Vortheil ift. Ueberdiefs entfchied für die Schraube, dafs für weite Reifen, wo bedeutende Kohlenmengen confumirt werden und zwifchen Anfang und Ende der Fahrt die Dampfer grofse Tauchungsdifferenzen haben, diefe den Effect von Ruderrädern alteriren, auf die Schraube aber ohne Einflufs find. Auf Binnengewäffern ift die Verwendung der Schraube fowohl aus dem eben erwähnten Grunde des geringeren Nutzeffectes, als auch defshalb eine befchränkte, weil der Tiefgang der Schiffe hier meift nur ein fehr kleiner fein kann, der Durchmeffer der Schraube demnach ein ungünftiger wird. Indefs hat die Donau- Dampffchifffahrts- Gefellfchaft eine bedeutende Zahl kleinerer Waaren­dampfer, die allerdings nur kleine Gefchwindigkeit zu haben brauchen, mit der Schraube bewegt, weil diefe die Vortheile bietet, dafs die Mafchine weniger voluminös und fchwer wird und die Borde des Schiffes frei und zugänglich bleiben, fonach das Anlegen an Quais und die Einbringung der Ladung erleichtern.

Die Perfonendampfer auf der Donau find durchgehends mit Schaufelrädern verfehen. Hier fei gleich der Ort für einige Bemerkungen bezüglich der Inferiorität, der Gefchwindigkeit der Flufsdampfer in Europa, im Vergleiche zur Fahr­gefchwindigkeit mancher Seedampfer und befonders der gröfseren amerikaniſchen Flufsdampfer.

Die Fahrgefchwindigkeiten in begrenztem Fahrwaffer, wie in Canälen und Flüffen erleiden je nach der Gröfse der Querfection des Fahrwaffers gröfsere Befchränkungen als allgemein angenommen wird. So foll diefer Einflufs bereits aufhören, wenn der Canalquerfchnitt das Sechs- bis Siebenfache der ein­getauchten Querfection eines Schiffes übertrifft.

Diefs mag für fehr kleine Gefchwindigkeiten gelten, für eine grofse Fahrgefchwindigkeit, wie folche die Perfonendampfer auf der Donau zu ent­wickeln haben, zeigt fich, dafs die Aenderungen im Wafferftande der Donau

* Diefs erklärt die Subvention von Poftdampfer- Linien für Gegenden, wo fo geringer Personenverkehr, dafs durch diefen die mit der dritten Potenz fteigenden Koften der für Poft- und Personenfahrt nöthigen grofsen Gefchwindigkeit nicht hereinkommen könnten, wo aber die Ver. mittlung des Poft- und Paffagierdienftes politifch von Wichtigkeit werden kann.