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Eisenbahn-Unter- und Oberbau : (Gruppe 18, Section 2) ; Bericht : 1 / von Franz Rziha
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I. Die geschichtl. Entwickelung u. d. Culturwerth d. Eisenb.

Der zweite Abschnitt in der Geschichte der Wege des Welt­handels beginnt mit der Entdeckung von Amerika und jener des Seeweges nach Ostindien. Zu allen vorhergegangenen Zeiten war das Ziel der im Westen der alten Welt wohnenden Völker das Land Indien gewesen, und die aufstrebende Cultur in Europa hatte diesen Drang nach dem Lande der Schätze und der träumerischen Märchen in dem Aufblühen der Hansa, Genuas und vor Allem Venedigs zu einem so bestimmten Ausdrucke gebracht, dass die an der atlanti­schen Küste wohnenden Völker Europas das Ziel ihrer Wünsche im Segeln nach Sonnenuntergang zu erreichen suchten. Vorbereitet war dieses Ziel durch den Italiener Gioja, der, wie man annimmt, schon um 1300 den Schiffscompass verbesserte, und durch Martin Behaim ( 1459-1507), den deutschen Mann aus Nürnberg und den Carto­graphen, der 1480-1484 in Portugal sein Astrolabium erbaute, und 1484-1485 Westafrika befuhr. Es regte sich unter den kühnen Schiffern, und die Rolle, Amerika zu entdecken, fiel dem Genuesen Christoph Columbus 1492 zu. Das fabelhafte Geflüster über das neu entdeckte Land reizte auch zu Lissabon, und Vasco de Gama um­schiffte, segelnd nach Sonnenaufgang, am 20. November 1497 die Süd­spitze von Afrika und landete am 20. Mai 1498 im Hafen von Kalikut. West- und Ostindien war für die directe Fahrt entdeckt und Venedig durch den Geist zweier kühner Männer in seinem Marke erschüttert. Die Spanier bemächtigten sich, die Menschenwürde niedertretend in der Gier nach Gold, des neuen Landes im Westen, die Portugiesen hielten Ostindien fest, das Mittelländische Meer sank in seiner Bedeutung für Europa, und zum Wege des Welthandels wurde die alle Continente umspülende See. Es verstummte am Hin­dukusch die Leier Sultan Baburs und der Welthandel gewann Rich­tungen, welche von der stärksten Macht zur See geboten wurden. Wir sehen in der Reihenfolge der Jahre den Handel zwischen Europa einerseits und Asien und Amerika anderseits in den Hän­den der Portugiesen, der Spanier, der Holländer, der Franzosen und der Engländer. Für den Strich des Welthandels aber, der nun zwischen Amerika und Ostindien sich erdehnte, bewegte sich der Drehpunkt des Hebels von Venedig hin nach Cadix, nach Lissabon und nach Antwerpen, also immer weiter hinauf nach Nordwest an der atlantischen Küste Europas. Nicht die Spanier, auch nicht die