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Eisenbahn-Unter- und Oberbau : (Gruppe 18, Section 2) ; Bericht : 1 / von Franz Rziha
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I. Die geschichtl. Entwickelung u. d. Culturwerth d. Eisenb. dadurch kennzeichnet, dass das Verkehrsmittel der Eisen­bahnen bereits die extremen Productionsländer Nordamerika und Südrussland befähigt hat, sehr entfernte Binnenplätze, wie Süd­deutschland und die Schweiz, zur Concurrenzstätte erwählen zu können. Was:

b) die Krankheit anbelangt, so kann allerdings das durch das Mittel der Eisenbahnen sehr erleichterte Reisen die Verschlep­pung des Krankheitsstoffes leicht befördern; allein selbst die Ver­schleppung schwächt, wenn sie ausgedehnt ist, die Intensität des schädlichen Stoffes, und im grossen Ganzen haben jene Aus­wüchse der Krankheit( wie sie noch im Mittelalter, vermöge der gesammten Verkehrsstockung so grässlich auftraten, als der schwarze Tod erschienen, und wie sie uns von Hecker in seinem Werke über die grossen Volkskrankheiten des Mittelalters so ein­gehend geschildert werden) aufhören müssen, weil: a) gerade das erleichterte Reisen die massenweise Entfernung vom Krankheitsherde einerseits und die Raschheit und Massenhaftigkeit des Verkehres anderseits die Quantität und Qualität der Hilfeleistung vermehrt; weil p) die durch die vervollkommnetere Bewegung vermittelte Erhöhung der Civilisation die Wildheit der Natur mehr denn ehedem beherrscht und dämmt; und weil y) das erleichterte Reisen in andere Gegenden den Gesundheitszustand insgesammt verbessert. Was nun noch:

c) den Krieg betrifft, so ist das Uebel desselben durch die Eisenbahnen direct und um dessenthalben wesentlich vermindert worden, weil es durch dieselben aus nahe liegenden Gründen ver­kürzt wurde. Die indirecten, wohlthätigen Einflüsse der Eisenbahnen gegen die Seuche des Krieges, zu denen die durch den Bahnverkehr verbreiteten Anschauungen der Civilisation, dann die Raschheit der Beseitigung der Verwundeten und der Gefangenen zu rechnen ist, gipfeln aber in dem Momente, dass die durch die Eisenbahnen er­zeugte Kriegswucht Heere bedingt, deren Kopfzahl die fried­liche Arbeit schon fast nicht mehr nähren kann, und demnach erstens die Veranlassung zum Kriege immer mehr gemieden und der Entschluss zur Blut action immer schwieriger wird, und zwei­tens das Mittel der physischen Möglichkeit der Kriegführung immer mehr und mehr weicht,