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Eisenbahn-Unter- und Oberbau : (Gruppe 18, Section 2) ; Bericht : 1 / von Franz Rziha
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1. Disposition der Schienenwege.

b) die maritime Hebung Italiens, und

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c) die Näherbringung Deutschlands an die Südküste Europas. Durch die St. Gotthardbahn wird also die Schweiz zum Durch­zugslande des Welthandels, und dieser Schienenweg ist demnach bestimmt, jenen Seeverkehr heranzuziehen, der einst die Grösse der Republiken Genua und Venedig veranlasst hat.

Der Handel aus dem Oriente und aus Indien wird in kurzer Zeit, vervollkommnet durch die Schienenwege nach Indien, auf moderner Strasse und mit modernen Mitteln jene zwei Wege be­treten, die geschichtlich weit zurück verfolgbar sind.

Der eine Weg ist der Seeweg; er führt aus China und Indien durch den Persischen Golf und durch den Suezcanal in das Mittel­ländische Meer und aus diesem, vereint mit dem Wege des levanti­nischen Handels, an die Südhafen Europas.

Der zweite Weg ist der Landweg; er wird führen durch Kleinasien und über Constantinopel nach Europa und entlang dem Kaspisee durch das asiatische Russland, ebenfalls nach Europa.

Die Entwickelung Amerikas, welche den orientalischen Handel einst brach gelegt hat, weil die Schifffahrt nach Amerika das leichtere Verkehrsmittel bot, diese Entdeckung, welche uns dem Oriente plötzlich ferne rückte und welche Venedig und Genua niederwarf, wird für die alte Welt und ihre gegenseitigen Bestrebungen wieder paralysirt werden von dem Tage an, wo das Dampfross, dieser Nivelleur unserer Culturinteressen, wieder nach jenen Richtungen hineilt, aus denen Zoroasters Lebren und die Culturanfänge der Menschheit stammen.

In diesem Culturgange, der sich in unserer raschlebigen Zeit sehr bald erfüllen wird, würde Oesterreich schwer geschädiget werden, wenn es von den Culturwegen nur tangirt würde.

Seine alte Aufgabe ist es vielmehr, mit den stetig erstehenden Culturmitteln, also auch mit dem Mittel der Dampfkraft, jenen Culturweg durch seine Marken zu lenken; mit anderen Worten, wir müssen die westwärts und nordwestwärts von uns gelegenen Länder, also: die Schweiz, Mittel- und Süddeutschland, Frank­reich und England, zum Theile auch Belgien, Holland, Norddeutsch­land und Spanien veranlassen, sich zum Durchzuge ihres orienta­lischen Landverkehres: Oesterreichs zu bedienen.

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nob tio