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II. Vorarbeiten.
Die Tendenz, welche bei der Disposition der österreichischen Nordwestbahn verfolgt wurde und welche eine tiefe Kenntniss der Wirthschaftsverhältnisse Oesterreichs verräth, gipfelt also in dem, bei Schaffung von Schienenwegen bedeutsamen Grundsatze, ein verkehrsfähiges Ländergebiet( hier also einen Theil von Böhmen und Mähren) maschenförmig mit Schienengeleisen zu bedecken und dieses Netz mit dem Centrum des Reiches zu verbinden und( wie es scheint) dieses erschlossene Flächengebiet und diesen kräftig gewordenen Stammweg seinerzeit in Rapport gesetzt zu sehen mit den Ländern des Illyricum Constantin des Grossen.
Die österreichische Nordwestbahn hat also in ihrer heutigen Gestaltung, Grenzverbindungen in der Richtung auf Dresden, Görlitz und Breslau hergestellt; die grossen deutschen Handels plätze: Berlin, Hamburg, Bremen, Dresden und Stettin, in neuen Rapport mit Wien gebracht; ihren Binnenverkehr auf die Bergwerksgebiete Aussig- Komotau und Schwadowitz- Waldenburg, dann auf die Industriebezirke und den Stand der Landwirthschaft in dem Vierecke Deutsch- Brod, Aussig, Seidenberg und Mittelwalde gestellt; der Exportkraft Ungarns nach Deutschland Rechnung getragen und endlich in letzterer Reihe auch der Zukunft des orientalischen Landhandels gedacht.
Zur Zeit der Ausstellung verzeichnete die österreichische Nordwestbahn eine Linienlänge von 123.2 österreichische Meilen; die Südnorddeutsche Verbindungsbahn eine solche von 37.540 österreichischen Meilen; beide Linien arbeiteten also zu jener Zeit vereint mit einen Verkehrscapitale von 160.92 österreichischen Meilen.
6. Venlo- Hamburger Eisenbahn.
Die Disposition der Venlo- Hamburger Bahn wurde Seitens des Geheimen Oberbaurathes Funck und im Auftrage der Köln- Mindener Eisenbahngesellschaft auf der Ausstellung ebenfalls durch ein Druckwerk erläutert.
Obzwar zur Zeit der Entstehung der Venlo- Hamburger Linie, deren Bau im Jahre 1868 begann, der Norden Deutschlands ein schon sehr ausgebildetes Eisenbahnnetz besass, so war doch noch immer eine Lücke offen, deren Schliessung wohl einzig nur durch