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II. Vorarbeiten.
§. 3. Geologische Vorerhebungen.
Das geologische Moment bei Herstellung eines Eisenbahnbaues ist von so hervorragender Bedeutung, dass seine Pflege immer sorgfältiger wird. Die Bedeutsamkeit des Gegenstandes erhellt schon daraus, dass auf unseren technischen Hochschulen angewandte Geologie gelehrt wird; und in der That ist auch keine Projectsverfassung denkbar, wenn der Boden, auf dem man sich zu bewegen hat, nicht mit aller thunlichen Schärfe geologisch untersucht wurde, weil die Kostenfrage der Bahnherstellung, die Zeitfrage und die Frage nach den technischen Schwierigkeiten ohne diese genauen Studien gar nicht gelöst werden können.
Das Bedürfniss diesbezüglicher Studien ist so durchdringend, dass in Ländern, wo geologische Karten fehlen, die geologischen Vorerhebungen besonders gepflogen werden( von Hochstetter für die türkischen Bahnen, Tietze für die persischen Linien); dass vorhandene geologische Karten sofort von dem tracirenden Ingenieur zur Hand genommen werden müssen; und dass die Eisen bahngesellschaften heutzutage fast durchgängig einen geologischen Specialbericht für die zu erbauende Linie aufstellen lassen.
Besonders sind es sieben Punkte, welche der Geologe bei einer zu errichtenden Eisenbahn beachten muss:
1. Festigkeit und Härtegrad der Erd- und Felsmassen( speciell Kostenfrage).
2. Standfestigkeit und Rutschbarkeit des Terrains. 3. Tragfähigkeit des Untergrundes für hohe Dämme. 4. Ermittelung der Fundamenttiefen und Beschaffenheit des bezüglichen örtlichen Untergrundes( Art der Fundirungen). 5. Studium der unterirdischen Wasserläufe.
6. Genaue Specialerhebungen für die zu errichtenden Tunnelbauten( geologische Situation, geologische Längenprofile, geologische Generalprofile und geologische Horizontalschnitte des Gebirges in der Tiefe des Tunnels).
7. Lösung der Frage der Baumaterialien( Wahl der Bausteine, Aufsuchung von Kalk, Cementstein, Sand, Wasser, Ziegelthon und Oberbauschotter).