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V. Tunnelbau.
Letzterer die bekannte böhmische Wechselschere zuerst 1849 im Bohrloche ,, Kaiser Franz Josef" zu Trebušie anwendete, hervorheben wollen.
Mit diesem Stande der Bohrkunst erreichte man schon schnell und sicher die bis jetzt bekannten tiefsten Bohrlöcher, unter anderen auch das heute tiefste Bohrloch der Welt, nämlich jenes zu Sperenberg in Preussen( 40512, Fuss, also 912mal so tief, wie der Wiener Stephansthurm hoch) und gestaltete dadurch das Bohrwesen thatsächlich zu einer Kunst.
Aber nicht nur die Erreichung grosser Tiefen, sondern auch die Herstellung weiter Löcher ist es, welche wir als epochemachend in der Tiefbohrkunst hervorheben müssen.
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Der rühmlichst bekannte Bergingenieur Combes hatte 1844 die Idee ausgesprochen, sofort ganze Schächte abzubohren, und schon 1849 führte Kind diese Idee zuerst zu Schönecken, später auf der Grube Leopold aus, und die Vereinigung der Ingenieure Kind und Choudron machte seit der Bohrung zu St. Vaast in Hennegau das Abbohren 2, bis 4 Meter weiter Schächte zu Styringen, Perrones, Escarpelle, wie auch auf Grube Agnes und Maria zu einer solchen Specialität, dass Haniel auf seiner Zeche Rheinpreussen bei Homberg thatsächlich daran gehen konnte, einen Schacht von 30' äusserem Durchmesser der Mauerung abzubohren.
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Alle diese bedeutsamen Errungenschaften in der Bohrkunst spornten zu weiteren Erfindungen an, welche sich im Wesentlichsten dahin concentriren, grosse Gebirgskerne herauszubringen, günstig im Schwimmsande vorzudringen, den Schmand vom Orte schnell zu beseitigen und die Zeit der Herausholung des Gestänges überhaupt, und insbesondere durch Einführung vollkommenen Seilbohrens zu vermindern.
Die Erfindungen von Degousse bezüglich der Bohrung grosser Kerne, von Fauvelle bezüglich der Bohrung mit Hohlgestänge und Wassereintrieb zur Beseitigung des Schmandes, von Laue und von Chanoit und Catelineau, welche ein Stück Hohlgestänge als Schmandpumpe benützen; ferner die Erfindung der gegenwärtig in Dänemark, Norddeutschland, Holland, England und Amerika, zuerst 1862 von Glenn angewendeten, oft auch Jenson'sche und Brunle'sche genannten, üblichen Bohrweise, besonders Schwimmsand durch