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Eisenbahn-Unter- und Oberbau : (Gruppe 18, Section 2) ; Bericht : 1 / von Franz Rziha
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V. Tunnelbau.

dass grosse Unternehmungen, um sich concurrenzfähiger machen zu können, und Eisenbahndirectionen, welche Werth auf Regiebau legen, selbst kürzere Tunnels zu Versuchsstationen benützen, um das Feld der maschinellen Bohrung mehr zu bebauen und jenem Ziele entgegensteuern zu können, welches heute darin besteht, die maschinelle Bohrarbeit durch Einübung und Specialerfahrung der­art zu verbilligern, dass in Zukunft auch kurze Tunnels finanziell vortheilhaft mit Bohrmaschinen bearbeitet werden können.

Wir haben hier die angenehme Pflicht, berichten zu müssen, dass die Verwaltung der Königlich Preussischen Staats­bahnbauten, unter der Oberleitung des Herrn Ministerial directors Th. Weishaupt, der wissenschaftlichen Ausbildung des Tunnelbaues überhaupt und des Erfahrungsmomentes der Tunnelbohrung insbesondere ein ganz hervorragendes Augenmerk zuwendet. Nach mehrfachen kleineren Versuchen wurde( 1872-1874) der Beben­rother Tunnel bei Bebra mit 6 Bohrmaschinen nach dem Systeme Du­bois- François erfolgreich betrieben, und gegenwärtig( 1876) wird ausschliesslich mit Ferrouxmaschinen der 4.2 Kilometer lange Tun­nel bei Cochem a. d. Mosel gebohrt. Dieser Bau, ein sehenswerther Musterbau in seiner ganzen Anordnung und bisherigen Durch­führung, wird von beiden Mundlöchern aus im Sohlenstollen mit je 6 Ferrouxmaschinen betrieben, und ist die Einarbeitung der Leute jener am St. Gotthard nicht im Mindesten nachstehend. Im Monate Juli 1876 wurden in fester rheinischer Grauwacke auf beiden Seiten schon 170 laufende Meter Sohlenstollen grossen Profiles auf­gefahren, trotzdem die Klüftigkeit des Gesteines, die Einwirkung weicher Schieferschichten, die Wirkungen des Dynamites und die grosse Breite des Sohlenstollens überall dessen, den Baufortschritt hemmende Auszimmerung bedingte.

Eine andere, gegenwärtig( 1876) bestehende Erfahrung, welche auf den Tunnelbau Bezug hat, ist die, dass man die maschi­nelle Bohrarbeit erst dann lohnend finden kann, wenn man doch mit wenigstens drei Maschinen vor Ort arbeitet; bei der Anwendung einer oder zweier Bohrmaschinen in den Vorstollen hat man, ge­rechnet auf die Fortschrittseinheit, noch zu viel Verlust an todter Zeit( Maschinenumstellung u. s. w.), und gerechnet auf die Kubik­