Dokument 
Eisenbahn-Unter- und Oberbau : (Gruppe XVIII, Section 2) : 2 / Bericht von Franz Rziha
Entstehung
Seite
132
Einzelbild herunterladen

132

Brückenbau.

wo die Holzpreise gering sind, der Dammboden nicht geeignet erscheint, an Bauzeit gespart werden muss, oder wo es an Arbeitern fehlt, um umfangreiche Einschnitts- und Dammherstellungen sehr rasch und billig ausführen zu können. Diese Viaducte( tressle- works), mit deren Construction uns ebenfalls schon Henz eingehend bekannt gemacht und von denen uns kürzlich der Ingenieur Pontzen( 1876) durch die ,, Zeitschrift des österreichischen Architekten- und Ingenieur­vereines" interessante Detailberichte geliefert hat, werden auch in neuester Zeit noch vielfach nützlich erbaut, und erwähnen wir hier­hergehörig der zahlreichen diesfälligen Werke auf der Burlington­Missouribahn und der Central- Pacificlinie, insbesondere auch des 30.5 Meter hohen Longravine- und des 71.4 Meter hohen Portage­viaductes auf der Bahn zwischen Buffalo und New- York; dann des Dale- Creek- Viaductes der Union- Pacific- Bahn. Pontzen rechnet bei 7 bis 15 Meter hohen Gerüstbrücken einen Holzbedarf von 0.16 bis 0.20 Kubikmeter Holz pro Quadratmeter Aufrissfläche der Brücke. Während in Amerika und Russland und in waldreichen und der Cultur entlegenen Gebieten überhaupt der Bau hölzerner Via­ducte und Brücken( wir erinnern dabei an den kühnen Holzbau der 57.95 Meter hohen Holzpfeiler der Geneseebrücke bei Portage) auch heute noch eine grosse Rolle spielt und dieselbe noch für lange Zeit behalten dürfte, hat die Ausbreitung des Bergbaues und des Hüttenwesens in unseren Culturländern den Bau grosser hölzerner Übergangswerke verdrängt. Trotzdem dürfen aber auch wir, wie so vielfach angenommen wird, das Studium des Baues grosser hölzerner Brücken nicht in den Hintergrund stellen, weil uns selbst die Einzelheit des Falles noch alle Tage treffen kann; besonders aber sind wir heute noch genöthiget, der Herstel­lung kleiner hölzerner Übergangswerke, deren Construction so hoch ausgebildet ist, unsere vollste Aufmerksamkeit zuzuwenden, weil sich die Ansprüche derartiger Provisorien noch in vielen Fällen der Praxis geltend machen.

Es ist desshalb die Bemerkung keine angenehme gewesen. dass der Bau der hölzernen Brücken auf der Wiener Weltausstellung vornehmlich nur antiquirt und in seinen neuen Formen äusserst spärlich vertreten war, wie dies die nachfolgende Aufzählung der hervorragendsten, zur Ausstellung gelangten Objecte zeigt.