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Eisenbahn-Unter- und Oberbau : (Gruppe XVIII, Section 2) : 2 / Bericht von Franz Rziha
Entstehung
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III. Steinerne Brücken.

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S. 6. Die Entfaltung der Wissenschaft des Baues gewölbter Brücken.

( 1648-1825.)

Während nach Beendigung des dreissigjährigen Krieges die inneren Kämpfe in England stattfanden, Russland sich zu seiner Grösse aufraffte und später im Osten Europas der Krieg gegen die Türken wüthete, war es vorzugsweise Frankreich, welches unter Colbert, dem Stifter der Akademien der Inschriften( 1663), der Wissen­schaften( 1666) und der Baukunst( 1671), die Bestrebungen nach ver­besserten Communicationen, unter denen die im Jahre 1665 begonnene Erbauung des Canales von Languedoc hervorragte, in die Hand nahm und insbesondere in dem Brückenbaue diejenige wissenschaftliche Reform einleitete, welche zu Ende des XVIII. und zu Anfang des XIX. Jahrhundertes so Grosses auf diesem Gebiete schuf.

Wenn auch die Institution der Wegebaumeister in Frankreich bis auf Dagobert zurückgeführt und auf eine gewisse Organisation des Wegebaues hingewiesen werden kann, welche schon unter Karl dem Grossen gegeben war, und wenn auch im Laufe des XII. Jahr­hundertes Bestimmungen über den Wegebau in Frankreich erlassen worden waren und auch schon Heinrich IV. die Bauten der Strassen und Canäle und damit den Brückenbau pflegte: so datirt doch die Entstehung der wissenschaftlichen Schule des Brückenbaues erst zurück auf Colberts Zeit.

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Die wissenschaftlichen Traditionen der Mönche und der ,, Frè­res du pont" hatten, wie wir schon bemerkten, sich in Frankreich derart sesshaft gemacht, dass die bereits erwähnten Brückenbauten zu Paris zwischen 1618 und 1639 sich schon auf die Kenntnisse der einheimischen Ingenieure zu stützen vermochten, und war es insbesondere der Meister Mansard, welcher durch die Bauten der Royal- und der Moulinsbrücke( 1685 und 1705) die Existenz einer selbständigen französischen Schule zuerst erwies. Die wissen­schaftliche Höhe derselben drückte sich schon 1720 durch die offi­cielle Gründung des Corps der Ingenieure aus, als dessen erstes grösseres Werk im Brückenbaue die von Pitrou errichtete Blois­brücke über die Loire( 1723) entstand.

Eine feste Gestalt nahm die wissenschaftliche Schulung der Ingenieure jener Zeit, welche auch wesentlich durch die Bauten der