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Eisenbahn-Unter- und Oberbau : (Gruppe XVIII, Section 2) : 2 / Bericht von Franz Rziha
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IV. Eiserne Brücken.,

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b) Bogenträger mit beweglichen Auflagern.

Schon die bisherige chronologische Schilderung der Ent­wickelung der eisernen Bogenbrücken hat dargethan, dass man gleich beim Auftreten der Verwendung des neuen Materiales im Brückenbaue sein Augenmerk auf die Nothwendigkeit einer ge­wissen Bewegung der Construction, bedingt durch die Einflüsse der Temperatur, bedacht war, und ist es nicht ohne Interesse, darauf hinzuweisen, dass 1801 gelegentlich der Besprechung der Entwürfe für den Umbau der Londonbrücke dieser Gegen­stand zwischen Telford, Douglas, Southern, Dr. Maskelyne und Professor Robeson zur Sprache kam, indem der Letztere die Existenz eines bedeutenden Horizontalschubes bei eisernen Bogen­brücken annab und den Vorschlag zur Anwendung von Scheitelgelenken machte, während Maskelyne eine Bogen­Eisenconstruction überhaupt für so versteift hielt, dass sie auf die Auflager nur, verticale" Drücke ausübe. Als nun mit dem Baue der Aarbrücke bei Olten( 1853) die neue Zeit für den Bau der Bogenbrücken durch die Anwendung des Schmiedeisens eintrat, und als die Erfahrungen bei der Arcolebrücke, der Maubeugebrücke und der nach dieser construirten Szegediner Brücke dahin geführt hatten, dass ein festes Verspannen schmiedeiserner Bogenbrücken bei ganz starrer Construction des Bogens auch seine wesentlichen Nachtheile habe, so bot sich insbesondere den Theoretikern im Fache eine bedeutsame Gelegenheit, über die Nothwendigkeit und Durchführung einer gewissen Beweglichkeit des Bogens nach­

zudenken.

Schon die französischen Ingenieure Couche und Salie, un­zweifelhaft angeregt durch den Gedanken, dass festvernietete schmiedeiserne Bogenträger nicht so biegsam seien, als verschraubte gusseiserne Segmente, fassten bereits 1858 den Entschluss zur Einführung beweglicher Auflager bei schmiedeisernen Bogen­brücken. Später gelangten auch die deutschen Ingenieure, be­sonders die rühmlichst bekannten Theoretiker und Constructeure Köpke und Schwedler zu denselben Erwägungen, und geben die theoretischen Abhandlungen in den Annales des ponts et chaussées" 1860; Zeitschrift für Bauwesen", 1861 und 1862; und der Zeit­