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Eisenbahn-Unter- und Oberbau : (Gruppe XVIII, Section 2) : 2 / Bericht von Franz Rziha
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Brückenbau.

VI. Capitel.

Gitterträger und ihre Geschichte.

I. Gruppe.

Gitterträger mit parallelen Gurtungen.

Bekanntlich hat jeder Gitterträger( bei Festhaltung dieser ge­wohnten Nomenclatur) drei wesentliche Bestandtheile: die Ober­gurte, die Untergurte und die Verbindung beider, nämlich die Füllung. Gitterträger mit parallelen Gurtungen unterscheiden sich also untereinander nur durch die Füllung und besteht dieselbe entweder aus einem sogenannten Gitterwerke, oder aus einem sogenannten Fachwerke. Das Gitterwerk ist eine starre, aber durchbrochene Wand von selbständigem Zusammenhange; das Fachwerk dagegen ist eine solche Ausfachung eines Rahmens, welche ohne denselben( hier Ober- und Untergurte) weder Starr­heit, noch selbständige Tragfähigkeit besitzt; die Form und Grösse der Maschen, welche erst durch ihre Mehrzahl ein Netzwerk werden, ist weder ein Criterium für Gitter noch für Fachwerk, sondern lediglich Specialsache eingehender, theoretischer Untersuchungen. Hiernach lassen sich zuvörderst die Gitterträger mit parallelen Gurtungen in Gitterwerksträger und in Fachwerksträger

trennen.

S. 1. Gitterwerksträger.

Obzwar man die geistige Schaffung eiserner Gitterwerksträger schon auf die Construction von Sir G. Smart zurückführen kann, welche im Jahre 1824 patentirt wurde und welche im Wesentlichen darin bestand, dass die Füllung durch sich kreuzende und unter etwa 18 Grad geneigte Stäbe, die an den Kreuzungsstellen verbolzt waren, und durch eine Vertical versteifung hergestellt wurde: so muss man doch die heutigen Gitterwerksträger als eine Nachahmung der amerikanischen Lattenbrücken( lattice- work) bezeichnen, welche Town schon anfangs der Dreissiger Jahre ausgebildet hat, und deren Theorie und hervorragende, praktische Beispiele uns unter Anderm