Dokument 
Eisenbahn-Unter- und Oberbau : (Gruppe XVIII, Section 2) : 2 / Bericht von Franz Rziha
Entstehung
Seite
370
Einzelbild herunterladen

370

Brückenbau.

67. Stahlbrücke aus den Witkowitzer Eisenwerken. Wir haben aus der Geschichte der Brücken in Eisen gesehen, wie die erste und ausgedehnte Anwendung des Gusseisens im Laufe der Zeit, und zwar nach Maassgabe der Entwickelung des Walz­processes und unter dem Eindrucke der Construction zahlreicher Hängebrücken, die sich des geschmiedeten und gezogenen Eisens bedienten, immer mehr verschwand und das gehämmerte und ge­walzte, sogenannte Schmiedeisen immer mehr und mehr Platz griff.

Ein ähnlicher Verbesserungsprocess der Constructionen be­reitet sich im Brückenbau durch die Anwendung des Stahles vor, dessen Massenproduction in unserer Zeit durch den Bessemerprocess schon in hohem Grade gewonnen hat; und wir können wohl sagen, dass die Veredlung des Metalles auch eine Veredlung der Construc­tion nach sich ziehen und dieselbe dann verallgemeinern wird, sobald der Erfindungsgeist die vollständige Herrschaft über die Qualität einer Massenproduction und solche Minimalkosten der Stahlerzeugung errungen haben wird, dass die constructive und materielle Concurrenz mit dem groben, aber billigen Materiale ermöglichet ist.

Von diesen Gesichtspunkten aus betrachtet, muss es jeden österreichischen Ingenieur mit hoher Befriedigung erfüllen, dass unsere heimische Industrie den fortschrittlichen Gedanken in der Veredlung des Brückenbaues mit jener Tiefe empfunden und auf­gefasst hat, welche es ermöglichte, eine Originalbrücke in Stahl zur Ausstellung zu bringen; es gebührt desshalb den Rothschild'schen Werken zu Witkowitz und ihrem Ingenieur Brenner, welche das obige Ausstellungsobject geliefert haben, die volle Anerkennung Seitens der Ingenieure.

Bekanntlich reicht die Anwendung des Stahles zu Brücken­bauten schon eine geraume Zeit zurück, und scheint Oesterreich das Land zu sein, in welchem dieses Materiale zum ersten Male überhaupt zur Anwendung gelangte, indem Mitis in den Jahren 1827 und 1828 den Karlsteg über den Donaucanal( 95.12 Meter Spann­weite) auf Stahlketten hängte.

Weiters wurde Stahl bei der Götha- Elf- Brücke im Jahre 1866 vom Ingenieur Major Adelsköld in zwei Gitterträgern mit gerader Ober- und gekrümmter Untergurt und Ausfachung durch gleich­