Dokument 
Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
Entstehung
Seite
17
Einzelbild herunterladen

17

Von den im Juni 1904 eintreffenden Transporten wurden deshalb eine Kompagnie und eine Batterie zur Landung in Lüderitzbucht bestimmt, die mit der bisherigen 3. Feld­kompagnie eine Südabteilung unter Major von Lengerke bildeten. Ihre Marschbereitschaft in Keetmannshoop verzögerte sich trotz der außerordentlichen Tätigkeit, die der Generalstabs­offizier des Etappenkommandos, Major Lequis, entfaltet hatte, infolge der Baiweg­schwierigkeiten mehr als erwünscht.

Denn Anfang Juni 1904 war an der Südostgrenze des Schutzgebiets Morenga erschienen, ein Herero, der als Arbeiter in den Kupferminen des Klein-Namaqualandes mit mancherlei Kultureinflüssen in Berührung gekommen, dann mit seiner Sippe am Osthang der Großen Karrasberge seßhaft gewesen war. Im Kalkfonteiner Frieden als Mörder geächtet, hatte er sich in die Kapkolonie geflüchtet. Von dort her trat er als Freibeuter auf den Plan, dem seine Persönlichkeit und seine Erfolge im Ausrauben wehrloser Farmer schnell Zulauf allerlei Gesindels brachten. Nach einem Patrouillengefecht bei Kouchanas zog sich Morenga vor den über Koes und auf Dawignab vormarschierenden Abteilungen Koppy und Fromm durch die Narudasschlucht in die Großen Karrasberge, gegen die deutscherseits von Kalk- fontein und von Wasserfall aufgeklärt wurde. Zu einer Offensive in das wenig bekannte, schwierige Gebirge gegen die auf mehrere hundert Köpfe angewachsene Morengabande erachtete sich Major von Lengerke jedoch zu schwach, nachdem die bei Wasserfall stehende 8. Kompagnie 2. Regiments durch einen Handstreich Mo rengas auf ihre Pferde bewegungsunfähig geworden und infolge des Aufstandes der Nordhottentotten die Sicherung der Verbindung Ramansdrift bis Warmbad dringend geworden war.

Auf den neuen und gefährlichsten Feind im Herzen des Schutzgebiets richteten sich jetzt die Blicke. War es möglich, daß der alte Hendrik Witbooi....?, und ge­rade jetzt, wo im Hererolande ein Teil der Truppen frei geworden war?

Wer vermag in der Seele eines Hottentotten zu lesen! Und doch sind die Gedankengänge jetzt leidlich klar, die aus dem alten Fuchs mit der goldenen Kriegerverdienst­medaille den Mörder seines Wohltäters, von Burgsdorff, und den Verderber seines Volkes werden ließen.

Gewiß war Hendrik zu keiner Zeit vertrauend gegenüber den Deutschen gewesen; doch er war ja immer gut mit ihnen ge­fahren. Bisher wurde jeder Orlog not­gedrungen durch Paktieren beendet. Nun aber hörte er von einer gewaltigen Macht­entfaltung im Hereroland, deren Ernst ihm seine aus dem Norden entlaufenen Krieger bestätigten. Gerüchte drangen ihm zu Ohren

Deutsche Reiter in Südwest.

Generalleutnant von Trotha.

Morenga

30 ./ 8 .

5 ./ 10 .

Allsbruch

des

Hotten­

totten­

aufstands