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bestehend aus drei Feldgeschützen, marschierte um 2 Uhr morgens weg von Kanibes, dem Feind, welcher durch Patrouillen festgestellt war, entgegen. Alles überzählige Gepäck und Wagen wurden zurückgelassen. Mannschaften, welche sich krank fühlten oder schlechte Füße hatten, blieben zur Bewachung dort. Alles war zu Fuß, die Pferde mußten des schlechten Weges halber auch zurückgelassen werden. Nur die Zugtiere der Geschütze und einige Tiere zum Tragen des Proviants, der Schlafdecken usw. mußten mitgenommen werden. Ununterbrochen marschierten wir querfeldein von morgens 2 Uhr bis Mittag auf für die Artillerie denkbar schlechtem Gelände. Als wir am heißen Mittage den Ftfchfluß, lvo wir die Hottentotten zu fassen glaubten, erreicht hatten, sahen wir das Nest ausgeflogen, nur noch einige Überreste, wie Felle, Knochen, Büchsen usw., waren unsre Beute. Anscheinend waren sie der anderen Abteilung, welche Befehl
hatte, den Feind von der südlichen Seite anzugreifen, entgegengezogen, um dieselbe zu vernichten. Die betreffende Abteilung unter Hauptmann Pich! er war ohne Geschütze und bestand aus zwei Kompagnien. Wir hatten auch gar nicht lange Pause gemacht, als ein Reiter ankam und meldete, man habe ein schweres Gefecht bestanden und müsse wegen zu großer Übermacht zurückgehen. Die Toten mußten liegen bleiben, man hatte Not, die Verwundeten in Sicherheit zu bringen. So meldete Oberleutnant von Rosenthal. Unser Rätsel, wo sich der Feind wohl jetzt aufhalte, war gelöst.
Unser Herr Major GraeserZ ließ die Abteilung sofort fertig machen, und an demselben Nachmittag marschierten wir der Abteilung Pichler (l. Etappenkompagnie und 9. Kompagnie) zu Hilfe. Jetzt hieß es bei uns, alle Kräfte daran zu setzen, um unsere Geschütze dahin zu bringen, wo sie ihren Zweck erreichen sollten. Es ging über Steine und wieder Steine. Oftmals blieben wir stecken. Unsre Esel hatten schweren Stand, die Steine waren so glatt vom Wasser abgespült, daß sich selbst die losen Tiere, ja sogar meine Kameraden nicht zu halten vermochten und hinfielen.
Oft ging's durch dichtes Dorngebüsch, wo kaum ein Mensch zu gehen vermochte. Noch weit schlimmer war das Durchführen des Flusses. Das Wasser ging meistenteils über das Geschützrohr hinweg, und oft mußten die kleineren Esel schwimmen. Wir mußten absitzen, abprotzen und das Geschütz selbst herausfahren. Viele kamen im Wasser über die glatten Steine zu Falle. Das Bad war umsonst, aber nicht sehr angenehm, das auch unser Major Graeser nahm und das auch mir zuteil wurde. Nach einigen Stunden erreichten wir die Abteilung Pichler. Der Hauptmann war bei Keidorus am L6./6. 05 gefallen und auch Oberleutnant von Rosenthal verwundet. Oberleutnant Dannert hatte das Kommando.
Mit großer Freude sahen uns am 28./6. 05 die in großer Bedrängnis stehenden Kameraden kommen. Das erste Wort war: „Es ist gut, daß ihr da seid, zehn Minuten von hier sitzt die schwarze Bande."
Eine Stunde ließen wir unsre müden Tiere ruhen. Als unsre Führer alles besprochen hatten, machten sich die zwei Abteilungen vereint fertig. Die Spitze wurde vorausgeschickt, und
Abteilung Major Graeser: I Etappenkomp. Pichler, 9. Komp. 2. Feldreg-, 10. Komp. 2. Feldreg. von Zwehl, 1- Batterie Bruder, '/z 9. Gebirgsbalterie Barack, 1 Settion Maschinengewehre Degenlolb; zusammen 300 Gewehre, b Geschütze, 1 Maschinengewehr.
Gefreiter Motzner.