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Überraschungen vom Rücken her sicherte; wir konnten unbekümmert die Gelbgesichter vorn, rechts und links aufs Korn nehmen. Und das taten wir, da fehlte nichts dran. Wo ein Blitz aufzuckte, da schlug auch sofort ein Geschoß von uns ein. Eine Stunde vielleicht war so vergangen, und noch hatte das feindliche Feuer uns nichts getan, da hörte ich einen Fall und ein Stöhnen. Der Reiter Schulz neben mir hatte sich einen Augenblick zu weit über der Brustwehr gezeigt, und jetzt lag er mit einem Schuß durch die Brust auf dem Rücken
und krümmte sich vor Schmerz. Es war traurig, aber ich konnte ihm nicht helfen, ich mußte
jetzt für zwei schießen. Und dann kam es an mich. Ein furchtbarer Schlag traf mein Gewehr, Holzsplitter flogen mir ins Gesicht, warm fühlte ich es über Stirn und Backen strömen, und so heftig waren die Schmerzen, daß ich fast ohnmächtig wurde. „Hier steht eine Flasche Gewehröl", rief jemand. Schnell griff ich nach ihr und goß sie mir über den Kopf. Blut und Öl flössen nun vermischt über mein Gesicht auf den Khakirock. Etwas half es wenigstens. Wenn auch die Schmerzen in der grellen Sonne immer heftiger wurden, und wenn mich auch ein böser Durst quälte, ich sagte mir: „Nur nicht unterkriegen lassen." Ohne viel zu zielen, schoß ich mit dem Gewehr des Schulz unaufhörlich weiter, — da endlich hörten wir drüben etwas, das wie ein Kommando klang, das Feuer verstummte, wir sahen viele Gestalten davonhuschen. Still war es, aber wir blieben unbeweglich auf unserm Posten, bis kein Zweifel übrig blieb: sie waren fort. Nun war ja alles gut. Horn kam zur Schanze, wusch Schulz und mir die Wunden aus
und verband uns. Unsern Feldtelegraphenapparat fanden wir im Zelt in Trümmern, von
sieben Geschossen zerschlagen!
Jetzt aber war guter Rat teuer, was weiter werden sollte. Ich war zur Not be- wegungsfähig, aber wie sollten wir Schulz nach Gibeon schaffen, wo sich das nächste Lazarett befand? Verlassen durften wir ja die Station nicht. Da dachten wir an unsern Heliographenspiegel. Räder stellte ihn auf und blitzte in südlicher Richtung die Bergkuppen ab, wo ungefähr Falkenhorst liegen mußte. Endlich ein Gegenlicht, Falkenhorst meldete sich!
Stunden vergingen, es dunkelte, da sahen wir Reiter, teils ausgeschwärmt, teils geschlossen, herankommen. Es war die Kompagnie Ritter, begleitet von einem Arzte, und kurz darauf traf auch unser Leutnant ein mit so viel Mannschaften, als er hatte verfügbar machen können. Wenige Tage später befanden Schulz und ich uns im Lazarett Gibeon in sorgsamster Pflege. Für mich aber bedeuteten die Tage von Geitsabis das Ende meiner militärischen Laufbahn; ich mußte nicht nur die Heimreise antreten, sondern auch des Kaisers Rock für immer ausziehen. Leicht waren jene Tage nicht, aber ich denke mit Stolz an sie zurück; haben sie mir doch Gelegenheit gegeben, mich als Soldaten zu bewähren, haben sie mir doch die schönste Zierde gebracht, die es für den Soldaten gibt: das schwarzweiße Band!
Oskar Müller,
vormals Unteroffizier in der 1. Feldtelegr.-Abtl. der Kaiserl. Schutztruppe für Südwestafrika.
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Feuertaufe.
i.
„Herr Wachtmeister, jetzt läßt Cornelius nachexerzieren!"
Am 19. August 1905 langte Detachement Traeger bei der Verfolgung der Hottentotten unter Cornelius, Johann Christian und Morris nach mühseligem Marsche in der Nähe von Kawigaus in den Oranjebergen an. Meine Kompagnie, 10. Kompagnie 2. Feldregiments, unter Herrn Hauptmann von Zwehl gehörte zu diesem Detachement. Wir