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Alles wurde auseinandergezogen und ging dem Waterberg zu. Die Schwarzen hatten sich nämlich in der Nacht vom 13. zum 14. April zurückgezogen. Nun sah man aber, daß mit uns wenigen Leuten doch nichts mehr anzurichten sei. Es wurde nun auf die Verstärkung gewartet und der 11. August für den allgemeinen Angriffstag bestimmt. Die Abteilung stand bei Owiumbo und stellte kreisförmig, dem Waterberg zu, Posten aus. Richtungspunkt Waterberg. Nun begann man mit dem Patrouillieren, um den Feind einzuspüren. Durch eine Patrouille bekamen wir am 23. Mai die Meldung, die Hererowerft Otjomaso sei stark besetzt, und zwei deutsche Frauen seien dort gefangen. Major von Estorff besann sich, was er Wohl machen wolle, weil erst der 11. August bestimmt war, um gemeinsam auf den Waterberg loszugehen. Dann faßte Major von Estorff den Entschluß, am 24. Mai anzugreifen.
Die ganze Abteilung war aufmarschiert und wartete auf den Befehl. Die Schwarzen konnte man von weiter Ferne her schon hören. Sie feierten seinerzeit gerade ein Freudenfest. Der Befehl zum Angriff wurde bekannt gemacht. Alles freute sich, den Gegner wiederzusehen und mit ihm zu ringen. Langsam und vorsichtig ging's vor. Streckenweise gebückt, den größten Teil aber krochen wir auf dem Bauch; denn der Feind sollte überrascht werden. Wir hatten uns angeschlichen bis auf 50 Meter, auf einmal wurde man uns gewahr. Mit unglaublicher Gewandtheit war der Feind verschwunden, aber sein Feuer zeigte uns, daß er nicht willens war, die Stellung zu räumen. Unheimlich knallte es hervor aus dem dichten Gebüsche; hinter jedem Felsblock lag ein Schwarzer verborgen. Ich versuchte, den Kopf etwas emporhebend, mich einmal nach einem Gegner zum Abschuß umzusehen — da — klatsch — schlug auch schon ein Geschoß neben mir ein, daß der Sand mir in die Augen flog. Fünf Stunden dauerte der Feuerkampf, bis ^ wir sie mürbe hatten, bis der Befehl: „Auf! Marsch, marsch!" kam, den wir lange erhofften. Unwiderstehlich ging's vorwärts durch die Deckung, und „Hurra! Hurra!" ertönte es ringsum. Niedergestochen, was nicht alles zurücklassend floh. Wir waren im Besitz der Werft. Unser Hauptmann war gerächt! Ohne Kanonen hatten wir den Kampf durchgeführt. Auf deutscher Seite fielen zwei Mann, ein Reiter — Spindler — und ein Franzose, Kriegsfreiwilliger Huet. Wir hatten bei jenem Überfall von Otjomaso 1000 Stück Großvieh und 500 Stück Kleinvieh erbeutet. Von weißen Frauen aber war keine Spur. Sie waren schon wieder abgeführt.
Unteroffizier Maier,
Infanterie-Regiment 180, 2. Bataillon, 8. Kompagnie, z. Zt. Schwäbisch-Gmünd, Württemberg.
Unteroffizier Maier.