58
rückwärts. Leutnant Fisch ach schickte eine Spitze von drei Mann vor. Kaum hatte sich diese auf 100 Meter entfernt, da krachte es von links aus dem Gebüsch. Bei der Spitze fiel gleich der Gefreite Kopitzki, mein Kamerad, dicht neben mir. Er bekam einen Schuß durch den Hals und stürzte tot vom Pferde. Hinter mir schrien Verwundete. Wie ein kleiner Hagel prasselten die Kugeln zwischen uns. Doch wir hatten schon öfter Pulver gerochen und waren an derlei Sachen schon gewöhnt. Wer noch konnte, sprang vom Pferde, suchte Deckung und nahm das Feuer mit dem Gegner auf. Da wir nun aber wenig Schutz fanden und entweder zurück oder weiter vor mußten, entschloß sich der Herr Leutnant und kommandierte: „Auf! Marsch, marsch!" In einem Nu erreichten wir die vorliegende Höhe. Wenige waren es, die den Sprung noch machen konnten. Aber doch gaben die Hottentotten ihre Stellung frei. Wir sprachen nun erst mal eine Weile deutsch mit diesen Lumpen.
Inzwischen hatte Oberleutnant von Bülow mit seinem Rest, 14 Mann, eine Schwenkung gemacht und fiel dem Gegner in die Flanke. Oberleutnant von Bülow erhielt dabei fünf Schüsse und behielt dennoch die Führung der Schützen. Doch es wurde zu rasch dunkel, und es ließ sich darum nicht mehr viel machen. Die Hottentotten wollten jedenfalls
andere Stellung besetzen und zogen sich, trotz fünffacher Übermacht, nach allen Seiten zurück, ließen aber acht Tote auf dem Gefechtsfeld liegen. Blutspuren zeigten noch größere Verluste an. Während der Nacht hörten wir von allen Richtungen her Signalschüsse. Die Hottentotten planten einen zweiten Angriff, wollten aber jedenfalls warten, bis wir halb verhungert wären. Das war uns allen klar, doch ließen wir uns in unserer Arbeit nicht stören. Wir bauten feste Schanzen dort am Wasser und warteten nun der kommenden Dinge. Allerdings hatten wir heiße Arbeit in dieser kalten Aprilnacht. Unsere vier Schwerverwundeten, Leutnant Fischach, Unteroffizier Pell, Gefreiten Petersen und Pohl, mußten wir weit und doch vorsichtig in diesem Klippengelände zurücktragen. Wasser, welches ganz grün, dick und trübe war, wurde im Vorrat in die Schanzen gebracht. Die Pferde waren teils entlaufen, der größte Teil aber erschossen. Eins lag zum Verzehren vor unserer Schanze.
II.
Nun kam der zweite Tag der Gefahr.
Trotz aller Beschäftigung ging er langweilig dahin. Frühmorgens fielen auf feindlicher Seite einige Schüsse, auf welche wir aber gar nichts erwiderten. Wir beerdigten unsere drei Toten, unseren tapferen Oberleutnant von Bülow und die Kameraden Kopitzki und Wendt. Ehre sei den gefallenen Helden von Huams!
Vormittags 9 Uhr gingen wir, zehn Freiwillige, noch einmal mit Bajonetten übers Gefechtsfeld, suchten nach Proviant an allen Sätteln, die die gefallenen Pferde noch auf dem Rücken hatten.
-
Artur Aröbcr.