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Pcitronenkastm abgerissen. Dadurch kam ich in die verzweifelte Lage, ich konnte nur immer eine Patrone laden und mußte links schießen.
Es dauerte auch nicht lange, da ging das Gepfeife wieder los. Möglichst ruhig, wie auf dem Scheibenstande, erwiderten wir ihre Schüsse. Wir mochten wohl eine Stunde geschossen haben, als ich auch noch einen Schuß durch den Oberschenkel bekam, der mir den Knochen zerschmetterte.
Doch auch der Besitzer des feindlichen Gewehres lag auf fünf Schritte tot neben mir. Ein Paar Minuten später fiel auch noch Gefreiter Kimmel, durch Kopf und Brust getroffen. Nun war unser Los besiegelt. „Nur nicht lebendig in ihre Hände kommen und abschlachten lassen!" rief ich dem Gefreiten Schäfer zu, als die Kerle unter Wutgeheul, aufrecht laufend, 'rankamen, um uns den Gnadenstoß zu geben. Das Schnellfeuer des Gefreiten ließ sie aber stutzen. In ihrer Verwirrung schössen sie Salven. Die hatten nur den Erfolg, daß sie sich gegenseitig trafen, und zur Folge hatte, daß ein großes Geschimpfe und Gejammer entstand. Nach zehn bangen Minuten stoben sie auseinander, uns aber riefen sie als letzten Gruß noch „Llours- vouutor" zu. Eine bitterböse Nacht trat nun ein. Der Gefreite Schäfer kroch neben mich. Das Gestöhn der verwundeten Feinde gab die Musik zu unseren Schmerzen. Sonst alles totenstill.
Gegen Morgen hörten wir einen Menschen durch die Büsche schleichen. Als er näher kam, erkannten wir den Gefreiten Koy. Rasch wurden einige Löcher gemacht, um bei einem erneuten Angriff gesichert zu sein. Gegen 8 Uhr morgens kamen drei Feinde und setzten sich direkt neben uns aus die Höhe; zwei Schüsse krachten, und wie der Blitz waren sie verschwunden. Ein dumpfes Geräusch galoppierender Pferde ließ uns aushorchen. Punkt 8,30 Uhr kamen Herr Hauptmann von Rappard und Hauptmann Grüner mit Teilen der 7.Kompagnie 2. Feldregiments und 1. Etappenkompagnie. Wir waren gerettet. Der Feind, der uns schon wieder eingeschlossen hatte, setzte in wilder Flucht über die Berge. Es begann nun die traurige Pflicht, die toten und verwundeten Kameraden zu suchen, die überall auf dem Gefechtsfelde herumlagen. Nach einer halben Stunde brachten sie einen Bewußtlosen, der vollständig ausgezogen war, mit einem Kopfschuß; es war der Gefreite Stulzus, der letzte Überlebende der Nachspitze. Noch einen Tag blieben wir dort liegen, bis die Wagen des Feldlazaretts Nr. 11 eintrafen und uns nach Mamas brachten.
Gleich nach unserer Ankunft daselbst besuchte uns der Herr Regimentskommandeur Oberstleutnant von Estorff. Er sprach uns für unser tapferes Verhalten seinen Dank aus, reichte sämtliche verwundeten Leute zum Militärehrenzeichen 2. Klasse ein, und mich, da ich schon einmal eingereicht war, zum Militärehrenzeichen 1. Klasse.
Paul Herzog,
Sergeant 7. Komp. 2. Feldregts. der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika.
Erklärung zum Snchvcryalt.
Nach unserem Abreiten aus Ukamas kam die Meldung von der Grenze an die Etappe Ukamas, daß der Hafer, den wir holen sollten, vom Feinde verbrannt sei. Es wurde sofort ein eingeborener Polizist uns nachgesandt. Derselbe kam aber erst an, als wir bereits im Gefecht waren. Er soll dabei mit erschossen worden sein; denn seit der Zeit ist er verschwunden. In der Nacht vom 26. aus den 27. ritten Hauptmann von Rappard und Hauptmann Grüner nach Ariam, um von Süden aus gegen Nakab zu stoßen. Beim Einbiegen in die Schlucht fanden sie den ganz zerschossenen Leutnant Keller liegen. Nur diesem Umstände ist es zu verdanken, daß wir gerettet wurden. Nach den Meldungen soll ein Mann, der in der Nacht entkam (Gefreiter Kulisch von der Spitze), die Kompagnie benachrichtigt haben. Dies beruht auf Irrtum, da der Mann erst am Morgen des 27. in Ukamas ankam.
In dem Gefecht sind gefallen: Leutnant Keller, Reiter Riesner, Gefreiten Lichtcrfeld, Baron, Advena, Reiter Anders, Sierszyn, Haucke, Helsing, Kimmel, Gutfche und der Eingeborene des Offiziers. Verwundet: Unteroffizier Herzog, Gefreiten Koh, Schäfer und Stulzus.