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Bei Naris.
4. Dezember 1904.
Bei Naris. — Steil emporstrebende Höhen, mächtige Klippen, davor freies Gelände. Dort hat in mächtigem Bogen Hendrik seine beste Stellung nehmen lassen. Er selbst führt das Kommando. In der hellen Mittagssonne sieht er seinen gefürchtetsten Gegner, ein kleines Häufchen Kämpfer bei sich, anrücken. „Pah, heute sollen sie sich schon die Köpfe einrennen, diese Dütschmanns." Langsam, vorsichtig nähert sich die Kolonne. An der Spitze des Gros reiten die Führer. „Los!" Ein gutgezieltes Schnellfeuer schlägt der Spitze entgegen. Hell leuchtet das Auge im verwitterten Gesicht des Führers. „Oho, Hendrik, das kam nicht unerwartet! Auf zum Kampf!" Ein Blick, die Stellung ist erkannt. Die Befehle fliegen. Weit hat der Gegner sich ausgedehnt. Wir müssen's deshalb auch. „Trrraaab!" Zunächst geradeaus, dann die vordere Kompagnie links, wir rechts abgeschwenkt. In der Front protzt die Artillerie ab. Wir sind noch lange nicht in Stellung, da schlagen schon die Granaten gegen die Felsen. Erfolglos. Hendrik lacht. „Na, warte man!" Über mächtige Klippen geht unser Weg. Die Pferde stolpern, stürzen. Doch immer wieder müssen sie hoch. Den rechten Flügel sollen wir angreifen, und halbrechts rückwärts reiten wir. So weit istHendriks Ausdehnung.
Psinng — tsinng — o weh! von links schlagen die Geschosse ein, wo ein alleinstehender Hügel einer kleinen Schar Feinde gute Deckung bietet.
Ein Moment des Stockens, doch dann geht's weiter im langsamen, von häufigen Stürzen unterbrochenen Trabe. Doch sitzen die Reiter jetzt nicht mehr auf den Tieren, sondern sie liegen längs der rechten Seite der Pferde.
Und wir kommen glücklich durch. Nur einige Pferde sind getroffen. „Haaalt!" „Absitzen!"
Im Galopp zu Fuß geht's jetzt weiter. „Ahn, da sind ja unsere Freunde!" Tsinng und tsurrr und knack und tsumm, so schwirrt's und musi- ziert's um und über uns. Aber mit unseren Freunden ist nicht viel Staat zu machen, und nur gebückt und möglichst klein gemacht, geht's weiter. „Hinlegen, Visier 500, Schützenfeuer!"
Keuchend ringt die Brust nach Lust. Vorläufig erfolgt noch kein Schuß. Nur die Augen gehen suchend nach den Höhen und entdecken — nichts. Immer noch kein Schuß. „Laß doch die blauen Bohnen singen. Was nützt uns das Schießen, wenn wir keinen Gegner sehen?"
Doch wir haben ja unsere Binokels. Heraus mit ihnen und die Kuppen abgesucht, um auch — nichts zu entdecken. „I der Deubel!"
Aber jetzt haben wir sie. „Die Kerlchens sitzen ja auf der uns zugekehrten Seite der Anhöhe, versteckt hinter Felsen und Kakteen." Einer ruft's
dem andern zu, die Lungen haben sich beruhigt, Sergeant s. -chnehage.
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